25. Dez.
Bewertung:4.5

Ursula Ott, Jahrgang 1963, selbst eine Schwester, ist Journalistin und Autorin, nicht Psychologin, wie sie selbst in ihrem Buch "Gezwisterliebe" betont. Daher beleuchtet sie Geschwisterkonstellationen eher beschreibend als bewertend. Geschwisterbeziehungen sind in der Psychologie tatsächlich bislang relativ wenig erforscht, jahrelang war es ein Thema, das gar nicht beachtet wurde. Zur Recherche für das Buch hat sie sich mit vielen Geschwisterkindern getroffen, sich ihre Geschichten angehört und diese aufgeschrieben. Sie zeigt auf, dass Geschwisterbeziehungen zwar nicht die wichtigsten in unseren Leben sind, uns diese aber dennoch auch nie ganz loslassen. Wie Eltern ihre Kinder behandelt haben und wie die Kinder ihre Familie wahrgenommen haben, prägt die Geschwisterbeziehung meist ein Leben lang. Um tiefer in das Thema einzusteigen und einordnen zu können, hat die Autorin zusätzlich Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und Jurist:innen interviewt. Des weiteren beschreibt sie auch die besonderen Herausforderungen von Geschwistern mit Migrationshintergrund sowie DDR-Vergangenheit. Mir hat die Zusammenstellung und die Einordnung der Geschwistergeschichten sehr gut gefallen, am Ende des Buches gibt es einen "Versuch einer Gebrauchsanleitung" und eine Übersicht weiterführender Literatur.

Gezwisterliebe
Gezwisterliebevon Ursula Ottbtb