28. Jan.
Bewertung:4

Ich denke um diesen Roman genießen zu können sollte man auf jeden Fall eine gewisse Affinität zur arabischen Kultur haben. Denn, und das finde ich sehr wichtig, dieser Roman erzählt von einem abenteuerlichen Sommer eines zwölfjährigen Afghanen - das Buch nimmt sich nicht heraus Bräuche der Menschen dort kritisch zu beleuchten(Was ich damit meine: es geht nicht um die Burka, es geht nicht um Vermählungen Minderjähriger, es geht nicht um die Rolle der Frau - dazu muss man sich eine andere Lektüre suchen). Das hier hat eher etwas von einem Märchen aus 1001 Nacht! Marwad erzählt von seinem Sommer, in erwachsenen Worten, aber aus kindlicher Sicht. Im Nachhinein weiß man nicht genau wo die Wahrheit aufhört und die Kinder-Fantasie beginnt. Es gibt 'Helden' und 'Dämonen' und viel Liebe. Die Erzählung beginnt mit zwei Zeitsträngen, die ersten Tage in Logar und ein kleiner Zeitsprung zu dem Moment als Budabasch, der Hund der Marwards Fingerspitze abbeißt am ersten Tag, das Weite sucht. Diese Stränge laufen dann zusammen, so dass der Autor dann ab da weiter erzählt. Besonders genossen habe ich die vielen kleinen Geschichten die über das ganze Buch verteilt sind und die 'Jagd' nach Budabasch, und alles was daraus resultiert, untermalen. *** Dieses Buch ist eine Einladung zum Chai, eine Einladung zu einer Afghanischen Hochzeit und auch eine Einladung es sich gemütlich zu machen und alten und neuen Geschichten zu lauschen. Zum Ende hin wurde mir die Geschichte ein kleines bisschen zu verworren, aber ich habe das Buch dennoch sehr genossen. *** Wer sich für die arabische Kultur begeistern kann, der sollte auf jeden Fall einen Blick auf dieses Buch werfen.

99 Nächte in Logar
99 Nächte in Logarvon Jamil Jan Kochaibtb
4. Jan.
Bewertung:3

Jamil Jan Kochai hat mit “99 Nächte in Logar” ein mutiges Debüt hingelegt. Das Buch strotzt regelrecht vor Liebe für Menschen, die Bezug zu Afghanistan haben. Mich hat es berührt und gleichzeitig sehr verwirrt. ⚠️ [CN: Blut, Gewalt, Krieg, Tierquälerei] In “99 Nächte für Logar” wird der Alltag in Logar, Afghanistan, aus der Sicht des 12-jährigen Marwand geschildert. Vordergründig lässt sich der Plot auch so zusammenfassen: Marwand, aus den USA, besucht seine Familie in Afghanistan, wo ihm der Familienhund seinen Finger abbeißt, weshalb er Rache haben will. Doch der Hund büxt aus und so macht sich Marwand mithilfe seiner Cousins und der restlichen Familie auf den Weg, um den Hund wiederzufinden. Das ist aber nicht alles, denn während wir diesem Hauptplot verfolgen, lernen wir die Geschichte Afghanistans kennen, lernen, wie die Familienbeziehungen funktionieren, wie Freundschaften gepflegt und auch Ehen arrangiert werden. Dabei werden immer wieder Geschichten von Legenden und Familienüberlieferungen hineingeflochten. Marwands Familie hat unzählige Menschen in den endlosen Kriegen verloren und werden noch mehr verlieren, weshalb sie untereinander immer wieder die Geschichten ihrer liebsten verstorbenen Menschen erzählen, sodass sie nicht nur eine bloße Erinnerung sind. Verwirrt hat mich das Buch, weil es so so so viele Charaktere gibt. Nun, die Familie ist groß und es war gar nicht so einfach durchzublicken, wer nun wie mit wem verwandt ist. Deshalb habe ich für mich auch einen Familienstammbaum gemacht, sodass ich den Überblick behalte, aber ehrlich gesagt, hätte ich es mir gewünscht, dass es so etwas bereits im Buch gegeben hätte. In dem Buch wird auch viel Farsi und Paschto verwendet, was ich selbst ziemlich cool finde, weil es zeigt, dass es nicht durch einen “weißen Blick” (white gaze) geschrieben wurde. Am Ende des Buches gibt es auch ein Glossar, das die meisten Begriffe erklärt, aber nicht alle, was ich mir aber gewünscht hätte. Es gibt auch ein Kapitel, das komplett auf Paschto geschrieben ist, sodass alle, die kein Paschto lesen können… logischerweise auch dieses Kapitel nicht lesen können. Ich selbst finde das nicht schlimm, denn es ist die Geschichte eines verstorbenen Verwandten und ich habe das Gefühl, dass dies ein besonderes Geschenk für die Menschen sind, die Paschto können und sich dadurch auch mehr mit dem Autor verbunden fühlen. Zumindest stelle ich mir das so vor mit Chinesisch. Am Ende wurde mir der magische Realismus aber zu viel und ich habe mich damit ziemlich schwergetan

99 Nächte in Logar
99 Nächte in Logarvon Jamil Jan Kochaibtb