2. Juni
Bewertung:2.5

So hoch die Erwartungen aufgrund des Themas waren, so gross war die Enttäuschung. Die Geschichte hätte genug Stoff für einen interessanten Roman abgegeben- leider wurde daraus nur eine kurze Erzählung, die -mit häufigen Zeitsprüngen- Episoden aneinanderreiht, statt zu erzählen und auszuschmücken. Die Protagonisten und ihre Motivationen bleiben daher flach und schwer/kaum nachvollziehbar. Alles wird derart emotionslos erzählt, dass es beinahe langweilig wirken könnte, wenn nicht ungeheuerliche -und extrem emotionale- Dinge passieren würden. So bleiben viele Leerstellen (wenn der Text Monate oder gar Jahre überspringt), wo man sich Erzähltes, Erklärendes, Vertiefendes gewünscht hätte.

Die Tochter des Kommunisten
Die Tochter des Kommunistenvon Aroa Moreno Duránbtb
25. Mai
Bewertung:4

📚 Inhalt Katia und ihre Eltern fliehen aus dem Spanien unter dem Franco-Regime nach Ostdeutschland. Dort lebt sie in den 1950er Jahren unter dem eisernen Vorhang in der DDR. Sie kennt kein anderes Leben und für ihre Eltern ist die kommuistische Seite Deutschlands alles, wofür sie in ihrem Heimatland gekämpft haben. Doch das Leben im Exil ist härter, als Katias Eltern zugeben würden. Als Katia zufälligerweise einen Mann aus dem Westen trifft, wird ihre Neugier auf die Welt geweckt. Mit falschen Papieren geht sie mit ihm in den Westen, ohne zu wissen, was sie erwartet und welchen Preis ihre Entscheidung mit sich bringt. 📖 Meinung Die Autorin schafft es auf wenigen Seiten, sehr wichtige politische Themen anzusprechen. Ich hatte den Eindruck, dass ihr das auch ziemlich gut gelang, dafür litten aber die Charaktere ein wenig unter der Geschichte. Denn die einzelnen Figuren wirkten sehr starr und hatten klare Rollen, die sie erfüllen mussten, damit die Geschichte stimmig wirkt. So war Katias Vater der angesprochene Kommunist, der sich die Welt schön redet und die Schwächen der DDR gekonnt ignoriert. Die Mutter, die ihre Heimat vermisst und sich weigert, sich in ihrer neun Heimat zu integrieren. Und dann Katia, ein naives, manchmal fast dümmlich wirkendes Mädchen, welches sich noch keine eigene politische Meinung gebildet hat und impulsive, nicht durchdachte Entscheidungen trifft. Katia wirkt für mich manchmal fast zu naiv und scheint kaum nach zu denken. Ihr Vater war dafür zu festgefahren in seiner politischen Meinung und liess sich kein bisschen bewegen. Bestimmt gibt es beide dieser Charaktere, wie auch solche, die sich in ihrer neuen Heimat nicht integrieren möchten, doch es wirkte alles sehr starr. Trotzdem war die Handlung spannend und man hat sie gerne verfolgt. Eine Familie in der DDR im Exil – das ist doch mal ungewöhnlich, das hat man so noch nie gelesen. Ich fand den Ansatz sehr spannend und habe es gerne gelesen. Auch Katias Entscheidung und deren Folgen war natürlich höchst interessant. Ich vermute, dass Menschen, die sich ein wenig mit der Geschichte Deutschlands auskennen, sich in etwa vorstellen können, welche Konsequenzen Katias Handlung mit sich zogen, aber trotzdem war es sehr interessant zu lesen. Ich kann das Buch weiterempfehlen.

Die Tochter des Kommunisten
Die Tochter des Kommunistenvon Aroa Moreno Duránbtb
10. Feb.
Bewertung:4

Katia wächst als Tochter von spanischen Einwanderern in der DDR auf. Ihr Leben ist geprägt von Entbehrungen, Essen und Wärme sind Mangelware. Sie erlebt den Bau der Mauer mit, fühlt sich eingesperrt und als sie Johannes kennenlernt und mit ihm die Chance zur Flucht nach Westdeutschland bekommt, zögert sie keine Minute und verlässt ihre Familie für immer. Doch auch das neue Leben voller Möglichkeiten bringt ihr nicht die gewünschte Freude im Leben. - Das Buch ist unheimlich gut gestartet und ich habe schon das nächste Highlight gewittert. Die erste Hälfte ist so voller Eindrücke, die Beschreibungen der Wohnsituation, die Gerüche, der Mauerbau, die Einschränkungen, alles ist zum Greifen nah. Danach baut es in meinen Augen etwas ab, denn es folgen eher langatmige Beschreibungen des Alltags. Es mischen sich zwar immer wieder auch gute Erkenntnisse unter, diese hätten aber gern ausführlicher behandelt werden können. Zum Ende hin kam wieder viel Handlung rein, die mir dann aber zu abrupt geendet hat. Ein paar Seiten mehr hätten an dieser Stelle ganz gut getan, hätten zum Verständnis beigetragen und das Ende vielleicht ein weniger offen gemacht, denn als Leser bleibt man mit unglaublich vielen Fragen zurück. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er entwickelt sich in gleichem Maße wie die Protagonistin und spiegelt gut die jeweilige Gefühlslage wider. Zum Anfang eher kindlich, über, durch Bildung und Studium geprägt, sehr gehoben, bis hin zu, durch Depression beeinflusst, eher monoton. Die Protagonistin erlebte ich als sehr naiv, schon allein die Tatsache, dass sie einem Wildfremden in eine unbekannte Zukunft folgt, konnte ich nicht nachvollziehen. Ebenso fehlte mir die Reflexion zu dem Danach und es ließ sie sehr egoistisch wirken. Über die Familie, die zurückblieb, wurde lange nicht nachgedacht, auch nicht darüber, was die Flucht für diese bedeutet. - Alles in allem aber ein schöner Roman, den ich guten Gewissens weiterempfehlen kann.

Die Tochter des Kommunisten
Die Tochter des Kommunistenvon Aroa Moreno Duránbtb
11. Jan.
Bewertung:4.5

Spanisch-deutsch-deutsche Familiengeschichte

Eine spanisch-deutsch-deutsche Familiengeschichte erwartet der Leser in Die Tochter des Kommunisten von der spanischen Autorin Aroa Moreno Durán. Einst vor dem Francoregime geflohen, hat sich der Vater in Ostberlin eingerichtet, während die Mutter die Entwurzelung ihrer Heimat spürt. Im Mittelpunkt des Romans steht die ältere Tochter Katia. Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren und erstreckt sich bis nach der Wiedervereinigung. Als Studentin lernt Katia den Westdeutschen Johannes kennen und in einer Nacht und Nebelaktion reißt sie alle Brücken hinter sich ab, um ihn in den Westen zu folgen. Die Autorin schafft es das hin und hergerissen sein zwischen Familie und Freiheit eindrücklich zu beschreiben. Die Konsequenzen einer Flucht dringen erst nach und nach in das Bewusstsein von Katia. Die Geschichte der Mutter wiederholt sich zwar in einer etwas anderen Form aber die Leere und Einsamkeit verbindet beide durch ihre Flucht. Wenn man Lust auf so eine Geschichte hat kann ich den Roman sehr empfehlen.

Die Tochter des Kommunisten
Die Tochter des Kommunistenvon Aroa Moreno Duránbtb
12. Nov.
Bewertung:4

Auf diesen Roman bin ich eher zufällig gestoßen, hat mich aber durch seine Thematik gleich auf ihn aufmerksam gemacht. In diesem doch recht knappen Roman lernen wir die Geschichte von Katia und ihrer Familie kennen, welche aus Spanien, vor politischer Verfolgung, nach Berlin geflohen sind. Wir verfolgen sie nun, wie sie sich ihren Weg in der DDR bahnen und mit welchen Herausforderungen sie sich nun herumschlagen müssen. Natürlich kommen auch in diesem Roman einige (Familien-) Geheimnisse ans Licht. Das Buch hat insgesamt eine sehr kühle und düstere Atmosphäre, was meiner Meinung nach aber sehr zu der Geschichte passt. Katia als Protagonistin zeigt unterschiedliche Verhaltensmuster auf, welche zeigt in welch einem Zwiespalt sie lebt. Durch den ganzen Roman zieht sich die Frage der Zugehörigkeit, da sie in der DDR geboren und aufgewachsen ist, aber ihre Eltern aus Spanien stammen. Die Einsamkeit die mit so einem Schicksal einhergeht wird in Laufe des Buches gut porträtiert. Was mir schlussendlich gefehlt hat, sind etwas die Gefühle der restlichen Familie. In dem Buch gibt es eine Entscheidung, welche Katia trifft, die aber die gesamte Familie betrifft. Ich hätte gerne gewusst, wie die Familie damit umgeht. Da aber Katia unsere Protagonistin ist und wir ihr Schicksal erfahren, kann ich gut damit leben, das man nicht so viel Einblick darin hatte, was ihre Entscheidung(en) mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester machen. Am Ende ein gutes Buch, welches auf spannende Weise erzählt, wie es ist politisch verfolgt zu werden, flüchten zu müssen und nie ganz zu Hause anzukommen.

Die Tochter des Kommunisten
Die Tochter des Kommunistenvon Aroa Moreno Duránbtb