Ein fast perfektes Buch, das mit seiner emotionalen Tiefe und einem überraschenden Ende begeistert. Empfehlenswert für Leser, die nach einer tiefgründigen Sommerlektüre suchen.
Inhalt Beth wächst in einem kleinen englischen Dorf in einer scheinbar idyllischen Familie mit ihren Eltern Marika und David auf. Doch als sie neun Jahre alt ist, nimmt ihr Leben eine drastische Wendung. Während eines Urlaubs in Marikas Heimat Ungarn wird klar, dass Marika dort tiefe Wurzeln hat und sich zunehmend von ihrer Familie entfremdet. Am Ende des Urlaubs steht ihre Entscheidung fest: Sie bleibt in Ungarn und kehrt nicht nach England zurück. Für Beth und ihren Vater David beginnt eine herausfordernde Zeit. David versucht, ein perfekter Vater zu sein, doch seine Übervorsichtigkeit und emotionale Zurückhaltung erschweren das Zusammenleben. Beth muss früh lernen, alleine mit ihren Gefühlen zurechtzukommen und schneller erwachsen zu werden, als ihr lieb ist. Einmal im Jahr verbringt sie ein bis zwei Sommerwochen bei Marika in Ungarn. Diese Besuche sind geprägt von Leichtigkeit, einer romantischen Jugendliebe und den Schönheiten der Umgebung. Doch im siebten Sommer offenbart sich ein Geheimnis, das die Beziehung unwiderruflich verändert. Meinung Mein Sommer am See ist kein typisches Sommerbuch voller Leichtigkeit, Strand und Sonne. Stattdessen erzählt es eine tiefgründige, tragische Familiengeschichte, eingebettet in die malerische Kulisse Ungarns. Schon der Prolog deutet an, dass die Geschichte kein klassisches Happy End bereithält, und schafft es, von der ersten Seite an Spannung aufzubauen. Im ersten Kapitel begegnet der Leser der Protagonistin Beth, deren Reaktion auf ein scheinbar harmloses Päckchen ihres Vaters zunächst verwirrend erscheint. Doch im Laufe der Geschichte werden die Hintergründe Stück für Stück enthüllt, wodurch Beths Gefühlswelt immer klarer und nachvollziehbarer wird. Das Ende überrascht mit einer emotionalen Wendung, die der Geschichte einen intensiven Höhepunkt verleiht. Besonders beeindruckend sind die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die anfangs den Lesefluss etwas hemmen, sich aber bald als reizvolles erzählerisches Stilmittel herausstellen. Der Epilog greift den Prolog wieder auf und schließt die Geschichte auf berührende Weise ab. Ein kleiner Kritikpunkt: An manchen Stellen wirkt die Dramatisierung etwas überzogen, während andere Aspekte der Geschichte zu kurz kommen. Dennoch ist dies nur ein marginaler Makel. Das Cover und der deutsche Titel treffen meiner Meinung nach nicht ganz den Kern der Geschichte. Während der Originaltitel The Book of Summers die Essenz besser einfängt, lenkt der deutsche Titel Mein Sommer am See den Fokus zu sehr auf einen einzelnen Sommer und den Plattensee. Dabei spielen die vielen Sommer und die Villa Serena eine deutlich wichtigere Rolle.
