25. Juni
Bewertung:4

Anderssons Schreibstil gefällt mir wahnsinnig gut. Es wirkt, als würde sie die Handlung nur beiläufig nutzen, um mit ihren grandiosen Worten zu spielen. Tolle Lyrik & interessante Gedankengänge - genau mein Fall! „... die nur ihrem selbsterlegten Auftrag Zeit raubte, die Wirklichkeit zu entziffern & die wahrheitsgemäße sprachliche Darstellung dieser Wirklichkeit zu finden." -S. 20

Widerrechtliche Inbesitznahme
Widerrechtliche Inbesitznahmevon Lena Anderssonbtb
16. Nov.
Bewertung:4

Dieses Buch ist mehr eine Charakterstudie oder eine Gesellschaftsstudie, als ein Roman im eigentlichen Sinne, aber genau das macht es so besonders. Kurzum geht es in diesem Buch um die Liebe, genauer noch um das unglückliche Verliebtsein. Ein Verliebtsein, das nicht erwidert wird, das uns zum Sklaven der eigenen Gefühle macht, das uns den Verstand raubt und uns zum Affen macht, vielleicht sogar zur Marionette. Die Autorin hat es mit diesem Buch geschafft, mich trotz der Fehlhandlungen Esters, der Hauptperson, immer am Ball zu halten. Und das aus gutem Grund: Denn Ester war keineswegs dumm oder naiv, ganz im Gegenteil. Sie war ein sehr starker, weiblicher Charakter, doch merkte man, wie sie diese Stärke und Unabhängigkeit Stück für Stück immer mehr verlor, je länger sie diesem Künstler Hugo nachrannte, der sie immer auf Distanz hielt. Mal machte er ihr schöne Augen und sie hegte Hoffnung, dann meldete er sich wieder wochenlang nicht oder sagte etwas, das ihr wehtat. So ging das immer weiter und hin und her und wenn man es böswillig sagen möchte, ähnelte es einem New Adult Roman, in dem sich ein naives Mädchen von einem Kerl abhängig macht, der sie nicht einmal haben möchte, ihren Stolz verliert und sich zum Clown macht, alles dafür tun würde, nur, damit er sie zurückliebt. Doch da Ester nicht dumm ist und sie ihre eigenen Fehler analysiert und auch erkennt, machte es interessant. Man spürte, dass sie eine clevere Frau und eine von hoher Intelligenz war. Und das zeigte dem Leser, dass man jegliche Intelligenz verliert, wenn man sich verliebt. Und wem von uns ist das nicht auch schon mal passiert? Wer war nicht schon mal in jemanden verliebt, der einen nicht haben wollte und hätte alles getan, um ihn zu bekommen? Wer hatte nicht schon einst im Leben das Gefühl: Für mich gibt es nur diesen einen Mann und wenn er nicht da ist, ist mein Leben so leer. Alles Schwachsinn, aber in dem Moment, in dem man so fühlt, ist es mehr als real. Es fühlt sich schrecklich an und die Autorin zeigt uns durch Ester, wie es ist und sie lehrt uns durch die Fehler von ihr, was wir selbst vielleicht falschgemacht haben und wieso wir so gehandelt haben. Ester war ein Charakter, in den sich jeder reinversetzen kann und doch musste ich des Öfteren über sie die Augen verdrehen. Aber dann dachte ich nach und ... verdrehte die Augen zur gleichen Zeit auch über mich selbst, da ich irgendwann einmal genauso dastand und genau das gleiche getan habe. Und am Ende war man noch trauriger. Meistens. Hugo konnte ich im Übrigen nicht leiden und habe auch immer noch kein wirkliches Verständnis dafür, wieso sie diesen Kerl so unbedingt haben wollte. Für mich hatte er nichts an sich, was man hätte mögen können. Außer vielleicht den Aspekt, das er ein berühmter Künstler war. Hugo lernen wir in dem Buch ebenso gut kennen wie Ester, zumindest erfahren wir sehr viel, was Ester über ihn denkt und das auf ehrliche Weise, Gedanken, die vielleicht aus Frust entstanden waren, die aber dennoch genau Hugos eigentliches Wesen zu beschreiben schienen. Im Grunde genommen begleitet man Ester durch ihr relativ stilvolles Leiden. Sie ist intellektuell, eine Dichterin, arbeitet auch mal für die Presse und ist sehr gebildet und doch ... vor der Liebe ist niemand sicher. Wenn sie dich packt, packt sie dich, und dann bist du verletzlich und abhängig wie ein Kind. Erschreckend ehrlich zeigt dieses Buch uns die innersten Empfindungen auf, die wir kennen und vor denen wir uns fürchten. Egal, wie alt wir sind. Eigentlich grandios, aber auch recht deprimierend. Nichts für zwischendurch, eine Lektüre zum Nachdenken mit teilweise sehr anspruchsvollen Dialogen, was ich sehr mochte.

Widerrechtliche Inbesitznahme
Widerrechtliche Inbesitznahmevon Lena Anderssonbtb
24. Okt.
Bewertung:4

„Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden. Wer verlässt ist fertig. Das ist der große Schmerz. Wer verlassen wird, muss dagegen bis in alle Ewigkeit reden. Und dieses ganze Gerede ist nur der Versuch, dem anderen zu sagen, dass er sich geirrt hat.“ Ester lebt in einer glücklichen Beziehung. Sie ist Dichterin und Essayistin und bekommt eines Tages den Auftrag einen Vortrag über Hugo Rask, einen gefragten, eigensinnigen und freigeistigen Künstler, zu halten. Nach besagtem Vortrag kommen sich die beiden erst auf einer intellektuellen, später auch auf einer körperlichen Ebene näher, was Ester dazu veranlasst, ihre Beziehung zu lösen. Fortan lebt sie nur noch für die Treffen und Nachrichten mit/von Hugo, welcher die „Beziehung“ allerdings ganz anders interpretiert als Ester. - Lena Amdersson, die Autorin, hat einen sehr eigenwilligen Schreibstil. Unverblümt, emotionsarm und beinahe trocken geleitet sie in der Erzählperspektive durch die Handlung. Was auf den ersten Blick sehr abwesend wirkt, erzählt allerdings zwischen den Zeilen so viel, dass es mich stark beeindruckt hat und noch lange nachwirkt. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich Hals über Kopf verliebt, deren Liebe aber nicht erwidert wird. Der Titel „Widerrechtliche Inbesitznahme“ trifft es daher genau auf den Punkt. Die Protagonistin ist wie besessen von dieser „Liebe“, erfindet immer neue Ausreden für sich selbst, um Hugos Verhalten zu erklären, läuft ihm häufig „zufällig“ über den Weg, beobachtet seine Wohnung, schreibt Nachrichten und Briefe, die nie beantwortet werden. Sie zeigt ein typischen Stalker-Verhalten und ist krank vor Liebe. In ihrem Kopf erschafft sie sich eine heile Welt und versucht diese lange zu verteidigen. Mehrmalige monatelange Funkstille, bringt sie an den Rand der „Genesung“, aber ein einziges Zeichen von Hugo führt jedesmal dazu, dass sie sofort wieder in ihrer schönen Vorstellung versinkt. - Ich fand es äußerst spannend der Geschichte zu folgen und beim Lesen wechselt man zwischen Mitgefühl mit Ester und dem Drang sie einfach wachrütteln zu wollen. Große Empfehlung meinerseits.

Widerrechtliche Inbesitznahme
Widerrechtliche Inbesitznahmevon Lena Anderssonbtb
21. Okt.
Bewertung:3

Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten. Einerseits ist die Thematik interessant und so gut beschrieben, andererseits hat mich die Protagonistin Ester jedoch so genervt. Die Beschreibung auf der Rückseite trifft tatsächlich zu: Wenn man glücklich liiert ist, soll man nach dieser Lektüre doppelt dankbar sein.

Widerrechtliche Inbesitznahme
Widerrechtliche Inbesitznahmevon Lena Anderssonbtb