
Überraschend gut und bildgewaltig
Ich sag’s euch gleich: Ich stehe eigentlich nicht auf Sand. Oder auf alte Könige mit Eyeliner, mumifizierte Katzen und irgendwelche „großen Flüsse des Lebens“. Und doch – dieses Buch hat mich verdammt noch mal in den Wüstensand gesogen wie eine verdammte Mumienfalle. Taita, der verschlagene, brillante, kastrierte (!) Eunuch, erzählt uns diese Geschichte – und zwar mit so viel Stil, Cleverness und Herzschmerz, dass ich ihm jederzeit mein Tagebuch anvertrauen würde. Er lebt im Ägypten zur Zeit von Pharao Mamose, dient der edlen Lostris, und steckt mitten in einem Wirbelsturm aus Krieg, Verrat, Liebe, Machtgier und blutigen Intrigen. Ja, ich habe die Miniserie Die siebente Papyrusrolle geliebt – und ja, vieles erkennt man wieder. Aber das Buch? Größer. Düsterer. Tiefgründiger. Und natürlich: mehr Seiten. (Ein bisschen zu viele? Vielleicht. Aber hey, es ist ÄGYPTEN. Da dauert alles länger. Selbst der Tod.) Ich hätte mir mehr Übereinstimmung zur Miniserie gewünscht. Was ich nicht erwartet habe: Wie emotional investiert ich plötzlich in die Geschichte war. Wie Taita plant, manipuliert, leidet, liebt (ja, irgendwie auch das). Wie Ägypten im Chaos versinkt, und du trotzdem jede Seite inhalierst, als hättest du seit Tagen nix gegessen außer Wüstensand und Prophezeiungen.
