Ein notwendiger Weckruf
Dieses Buch hat mich wütend, fassungslos und nachdenklich zurückgelassen. Michael Tsokos und Saskia Guddat zeigen anhand erschütternder Fälle, wie häufig Kinder in Deutschland Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung werden und wie oft die eigentlich zuständigen Schutzmechanismen versagen. Die Autoren kritisieren insbesondere Defizite im Kinder- und Jugendschutzsystem und fordern konkrete Reformen. „Deutschland misshandelt seine Kinder“ ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Es sollte Pflichtlektüre für alle sein, die beruflich Verantwortung für Kinder tragen – Ärzte, Juristen, Sozialpädagogen, Lehrer, Erzieher und Mitarbeitende von Jugendämtern. Die geschilderten Schicksale machen deutlich, dass Wegsehen, Verharmlosen und bürokratische Hürden schwerwiegende Folgen haben können. Besonders bedrückend ist die Erkenntnis, dass viele betroffene Kinder bereits zuvor Kontakt zu Institutionen hatten, die sie eigentlich hätten schützen sollen. Das Buch erhebt bewusst Anklage und ist in seinem Ton stellenweise zugespitzt, stößt damit aber eine notwendige Debatte über den Kinderschutz in Deutschland an. Ein aufrüttelndes, erschütterndes und wichtiges Buch, das lange nachwirkt. Unsere Gesellschaft wird daran gemessen, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht – und nach der Lektüre bleibt die Frage, warum wir Kinder nicht konsequenter schützen. Die finanziellen Mittel dazu sind jedenfalls vorhanden.














