31. Mai
Bewertung:2

Eine Welt, in der die Farben regieren - für Laisa, Katzenmädchen und in der Ausbildung zur Karawanenbegleiterin scheint dies ebenso fremd wie für uns Leser, zumindest bis sie etwas abseits vom Karawanenpfad eine goldene Frau verfolgt und von ihr in ebendiese zauberhafte Welt gebracht wird. Dort ist es ihre Bestimmung, die Dämmerlande vor dem Untergang zu retten; denn der Stern der Göttin Irisea ist in die Hände der Schwarzen gefallen und bedeutet nun Gefahr für alle. Er ist eine solch starke Waffe, dass niemand sich dem Besitzer des Sterns entgegenstellen kann. Doch bevor sie diese schwere Aufgabe antreten kann, besteht Laisa erst noch einige andere Abenteuer, die scheinbar direkt am Wegesrand auf sie warten. Da will ein verderbter grüner Magier besiegt, ein Prinz gerettet, eine Stadt von einem magischen Scharlatan bereinigt und eine schnippische entführte Prinzessin gefunden werden, bevor sie noch gegen den Endgegner in schwarzer Magierkluft antreten muss. Bei all diesen Prüfungen hat Laisa Unterstützung durch ein "bunt" zusammengewürfeltes Trüppchen: Da gibt es einmal Naika, eine Wassernixe, Rongi, ein junger Katling, Ysobel, eine Tivenga-Gauklerin und Borlon, einen bärenhaften Menschen. Das Besondere an ihnen ist, dass sie von unterschiedlichen Farben stammen und damit das eigentlich Verfeindete vereinen - als Zeichen für die ganze Welt. Denn auch Laisa muss feststellen, dass sich die Menschen auf den beiden Seiten des Großen Stromes gar nicht so sehr voneinander unterscheiden... Auf das Ende hin werden geballt unaufgelöste Andeutungen gemacht, die stark auf eine Fortsetzung hindeuten. So fällt das Finale sehr offen aus, viele Fragen bleiben unbeantwortet und der Leser etwas verwirrt zurück: Was zeichnet denn nun Kathon so Besonderes aus? Ist er vielleicht der Bruder des schwarzen Evari? Und was ist die neue Aufgabe Laisas? Hier haben sich die beiden Autoren meines Erachtens etwas zu viele Möglichkeiten offen gelassen und sich so selbst um eine runde Geschichte gebracht. Das Autorenteam hat hier eine "farbige" (im wörtlichen und übertragenenen Sinne) Welt geschaffen, die vor Lebendigkeit nur so strotzt. Detailverliebt werden Landstriche beschrieben und der Weg Laisas und ihrer Begleiter aufgezeigt. Eine genauere Karte, in die vielleicht auch einige Länder und Städte, Landmarken und besondere Punkte auf der Reise unserer Helden eingezeichnet wären, hätte ich mir jedoch gewünscht. Trotzdem war es schön, immer mal wieder die auf dem Umschlag abgebildete Karte zu begutachten und die Reise zu verfolgen. Als Schwachpunkt des Romans empfand ich die Charaktere. Diese hätten aussagekräftiger und realistischer gezeichnet werden können. Laisa war arrogant und zu oberflächlich, als dass es mir realistisch erschien, mit wie viel Herzlichkeit und Achtung sie überall Aufnahme fand. Ihre Begleiter Rongi, Ysobel und Borlon blieben "farb"los - sie waren nur blasse Persönlichkeiten im Schatten Laisas. Ihre Heldenhaftigkeit ließ alle anderen Personen wie kleine Püppchen wirken und damit die Geschichte einiges an Authentizität einbüßen. Auch das immer wiederkehrende Am-Schwanz-Gezupfe und die Fauch-Zähnezeig-Schnippischwerd-Reaktion von Laisa hatte ich spätestens nach der 10. Wiederholung satt - Dies nur als ein Beispiel für die mangelnde Tiefe des Romans. Insgesamt hat mir das Lesen Freude bereitet, vor allem die ausgedehnten Reisen und die mit Liebe zum Detail gezeichnete Welt haben mir gut gefallen. Die Handlung und vor allem die Charaktere hätten aber durchaus etwas mehr Tiefe vertragen, sodass ein eher durchschnittlicher Fantasy-Roman herauskommt. Für die Fantasy-Laune zwischendurch allemal geeignet, an die Großen des Genres kommt "Stern der Göttin" aber leider lange nicht heran.

Stern der Göttin
Stern der Göttinvon Sandra MelliKnaur Taschenbuch