Ähnlich gut wie Bd. 1, mit einigen tollen Pointen
"Lese-Verfassung: 16 Grundsätze 1 . Jeder Mensch ist vor einem Buch gleich. 2 . Jeder Mensch hat das Recht, zu lesen. 3 . Und zwar wo er will und wie er will; Umberto Eco rät Menschen, die sich ans regelmäßige Lesen gewöhnen müssen, auf dem Klo damit zu beginnen; erstens sei man da allein und zweitens seinem Inneren sehr nah. [...] 4 . Jeder Mensch kann Kapitel überspringen, ein Buch mehrmals lesen, hinten nachschauen, ob es gut ausgeht, und sowieso vor- und zurückgehen, wie es ihm gefällt. 5 . Kein Buch muss zu Ende gelesen werden. Leistungsbestreben oder Schuldgefühle sind ehrenwert, doch schlimmer ist es, ein Buch frech anzulügen, dass man es mag, wenn man eigentlich längst darauf verzichten kann. 6 . Jeder Mensch darf keine Lust, Drang, Interesse am Lesen (mehr) haben. Jeder und jede hat das Recht auf sein eigenes Unglück und auch das eigene Glück. 7 . Es darf jedes Buch gelesen werden. Es hat niemand über die Lektüren des Lesenden zu urteilen. 8 . In eigene Bücher darf gekritzelt, notiert, unterstrichen, angemarkert und hineingekrümelt werden. 9 . Lesezeichen entziehen sich jeglicher Bewertung. Eingeknickte Ecken sind kein Ausdruck eines niederen Charakters; Bücher wollen benutzt, angefasst, absorbiert werden in Alltag und Sein. Dazu gehören getrocknete Gräser, Fahrscheine, Postkarten, Bons, Geldscheine längst nicht mehr gültiger Währungen. 10 . Man muss geschenkte Bücher nicht loben. 11 . Niemand muss über seine Lektüren sprechen. 12 . Bücher, die vielen gefallen, gefallen nicht jedem. 13 . Wer viel liest, ist nicht mehr wert als jemand, der wenig oder gar nicht liest. 14 . Kritiken und Rezensionen sagen mehr über den Verfasser und die Verfasserin aus als über das Buch. 15 . Was der Autor oder die Autorin meinte, hat selten etwas mit der Interpretation im Unterricht zu tun. 16 . Es darf geweint, gelacht, geschwiegen oder geärgert werden, denn das Buch ist der Ort der vollkommenen Freiheit."































