Liebesrausch ist ein biografischer Roman über das bewegte und oft skandalumwitterte Leben der Kultautorin Anaïs Nin. Der Roman beinhaltet vor allem ihre Begegnung und Beziehung mit dem Schriftsteller Henry Miller und beleuchtet zugleich ihr Leben an der Seite ihres Ehemanns Hugh Parker Guiler. Der Roman ist im Droemer Knaur Verlag erschienen. Paris 1931: Die Schriftstellerin Anaïs Nin lernt den Autor Henry Miller kennen. Zwischen beiden entwickelt sich eine enge persönliche und künstlerische Beziehung, die ihr Leben und ihr Schreiben stark beeinflusst. Zwischen ihnen brennt eine ungezügelte Leidenschaft und sie tauschen sich intensiv über Kunst, Literatur und das Leben aus. Gleichzeitig ist Anaïs mit Hugh Parker Guiler verheiratet, der sie unterstützt und für ein stabiles Umfeld sorgt. Zwischen ihrer Ehe, der Beziehung zu Henry und ihrem Wunsch nach künstlerischer und persönlicher Freiheit verarbeitet sie ihre Gedanken und Gefühle in ihren Tagebüchern. Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Roman etwas schwer getan habe. Der Funke wollte nicht so richtig überspringen. Der Schreibstil ist überwiegend flüssig, auch wenn sich an einigen Stellen ein paar Längen bemerkbar machen. Teilweise spiegeln diese Passagen die emotionale Situation der Figuren wider. Ich empfand diese eher anstrengend oder einfach unsympathisch, dadurch fiel mir das Lesen schwerer und ich konnte nicht komplett in die Geschichte eintauchen, obwohl der Roman viele reale Aspekte aus dem Leben der Protagonisten aufgreift. Die Figuren wirken facettenreich, können mitunter auch anstrengend wirken, was mir den Zugang zur Geschichte erschwerte. Die Darstellung von Anaïs Nins Tagebüchern empfand ich interessant, da sie einen Einblick in ihre Gedankenwelt gibt, wobei ich manchmal den Eindruck hatte, sie „malt sich ihre Welt, wie sie ihr gefällt“. Hugo hatte dabei das Los, für alle stets und ständig finanziell zu sorgen. Insgesamt bietet Liebesrausch einen interessanten Blick auf eine bekannte literarische Persönlichkeit und dessen Umfeld. Trotz der historischen Grundlage konnte mich die Geschichte jedoch nicht vollständig erreichen.

Sex und Geld „Tu, was du willst, solange es Freude und Ekstase bringt.“ (S. 144) Selten hat mich ein Buch so gleichermaßen fasziniert wie verstört. Liebesrausch von Charlotte von Feyerabend gewährt einen tiefen Einblick in das Leben von Anaïs Nin in den Pariser Jahren 1931 bis 1934, und stellt dabei meine moralischen Maßstäbe auf die Probe. Seit ich als Jugendliche Anaïs Nins „Künstler und Modelle“ gelesen habe (1988 erschienen bei Volk und Welt Berlin mit einem sehr expliziten Cover, das man im Netz noch finden kann), hat mich die Frau hinter dem Buch interessiert. Das Buch rückt Anaïs‘ leidenschaftliche Beziehung zu Henry Miller in den Mittelpunkt, deutet aber auch ein mögliches erotisches Verhältnis mit dessen Frau June an. Anaïs ist in dieser Zeit mit Hugo Parker Guiler verheiratet, pflegt jedoch zahlreiche Affären und lebt ein Leben im Spannungsfeld zwischen Lust, Kunst und Selbstsuche. Mir war bewusst, dass Sexualität eine zentrale Rolle spielen würde, Anaïs und Henry haben sie in ihren Schriften ja ausführlich thematisiert. Trotzdem hatte ich gehofft, dass ihr gemeinsames Schreiben, der kreative Prozess, im Fokus stehen würde. Doch der wird von Eifersuchtsdramen, psychologischen Abgründen, finanziellen Abhängigkeiten und ihrer rastlosen Suche nach Ekstase und Identität überlagert. Die Protagonist:innen wirken oft unsympathisch. Anaïs erscheint als gestörte Femme fatale, die sich immer wieder neu verliebt, sich selbst ins Zentrum stellt und eine verstörende (sexuelle?!) Beziehung zu ihrem Vater unterhält der sie evtl. schon in ihrer Kindheit sexuell missbraucht und vergewaltigt hat. Trotzdem ist er der Mann ihrer Träume und Vorbild für alle anderen Beziehungen. Sie sehnt sich nach seiner Anerkennung und Liebe, die er ihr aber erst als Erwachsener zukommen lässt. Hugo, ihr Ehemann, bleibt blass. Er wirkt wie ein Weichei, der nur als Geldgeber fungiert, um Anaïs, ihre Familie und Liebhaber (vor allem Henry) zu finanzieren. Ob er darüber Bescheid wusste, bleibt offen. Henry wird als schmuddeliger, getriebener Egomane dargestellt: stets auf der Suche nach Sex, Anerkennung und jemandem, der ihn aushält, finanziell und emotional. „„Er … öffnete alle Schubfächer, bis er einen zerknitterten Schein und ein paar Münzen fand. … Zu wenig für eine Hure, aber zu viel, um zu sterben.“ (S. 246) Dieser Satz fasst seine Lebenssituation erschreckend treffend zusammen. June, ebenso rätselhaft wie faszinierend, nutzt ihre sexuelle Ausstrahlung, um Männer und Frauen gleichermaßen zu manipulieren. Sie zieht Anaïs in ihren Bann und kontrolliert Henry, finanziert aber auch seinen Aufenthalt in Paris. Woher sie das Geld dafür hat? Wahrscheinlich verkauft sie ihren Körper. Und obwohl Henry sonst so eifersüchtig ist, lässt er es zu und beobachtet ungerührt, wie sie immer weiter in die Drogensucht rutscht. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen an das Buch und die Schriftsteller:innen einfach falsch. Ich hatte auf einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen gehofft. Aber Liebesrausch hat mir Anaïs Nin nicht näher gebracht, sondern entzaubert.

