1. Sept.
Bewertung:5

Der Roman "Athen, Paradiesstraße" ist ein eigenwilliges Portrait einer Familie, die sowohl englische als auch griechische Wurzeln hat. Das Buch beginnt mit dem tragischen Unfalltod des Nikitas Perifanis - seine Familie trauert. Allen voran seine junge Frau Maud, aus England stammend, die seit 1 1/2 Jahrzehnten Griechenland zu ihrer neuen Heimat machte. Es lastet seit langem das plötzliche Verschwinden der Mutter von Nikitas (Antigone) vor 60 Jahren auf der Familie. Nikitas - ehemals erfolgreicher Journalist steigerte sich immer mehr in die Aufklärung seiner Familienverhältnisse und zerstritt sich über den griechischen Bürgerkrieg mit seiner Frau. In zweierlei Frauenperspektive (Antigone & Maud) wird nicht nur Verlust und Trauer der Gegenwart, sondern vor allem der Vergangenheit während des Bürgerkriegs aufgearbeitet. Antigone kehrt nach 60 Jahren zurück nach Athen, um ihre Familie ein letztes Mal zu sehen... Konflikte sind also vorprogrammiert. Sprachlich unterscheiden sich die wechselnden Kapitel aus Mauds und Antigones Sicht nicht allzu sehr, auch ihre Verlustgefühle sind sehr ähnlich. Vielleicht ein Grund dafür, dass die Frauen einen Zugang zueinander finden und jede auf ihre Weise um Verlorenes trauert. Die Vergangenheit scheint lang nicht abgeschlossen, Mauds Kinder Orestes und Tig sind an den heutigen Demonstrationen beteiligt und glauben längst nicht mehr an die kommunistischen/linken Ideale des Vaters... Dieses Buch konnte mich sehr begeistern. Die Querelen des 2. Weltkrieges und die englische und deutsche Besatzung in Griechenland wird in Rückblende mit all seinen Grausamkeiten erzählt, Krieg kann man einfach nicht schönreden. Im Vordergrund steht allerdings die spannende Familiengeschichte, in der weniges vorhersagbar und dafür vieles umso schockierender war. Grandios geschrieben!

Athen, Paradiesstraße
Athen, Paradiesstraßevon Sofka Zinovieffdtv Verlagsgesellschaft