„Der Umgang mit der Feinwäsche berechtigt genausowenig zu dieser, wie der Kranke zur Gesundheit berechtigt ist.“
Was ist das bitte für ein genialer Satz? Der in seiner Einfachheit so viel unserer Gesellschaft beschreibt? Es gibt Bücher, denen möchte man noch einen Zusatzstern geben. Einen für das besondere Herausragen aus der Masse. Dieses Buch ist genau so eines. „»Unsere Jugendträume, wo sind sie geblieben?«, fragen sie mit ernüchterter und zufriedener Miene. »Sie sind verflogen, und das Leben ist ein Hundeleben.« Ich hasse diese falsche Klarsicht der Reife. In Wahrheit sind sie wie die anderen, Kinder, die nicht verstehen, was mit ihnen passiert ist, und die den Abgebrühten herauskehren, obschon sie eigentlich Lust haben zu weinen. Dabei ist es ganz einfach zu verstehen. Was schiefläuft, ist, daß die Kinder an die Reden der Erwachsenen glauben und daß sie sich, wenn sie selbst erwachsen sind, rächen, indem sie ihre eigenen Kinder irreführen. »Das Leben hat einen Sinn, den die Erwachsenen gepachtet haben«, ist die universelle Lüge, an die alle glauben müssen.“ Ich möchte zwischen diesen Zitaten anmerken, dass es kein durch und durch depressives Buch ist, oder alles negativ spricht. Nur ist es ein Buch über das Leben und das ist nun mal, wie es ist. „Von den Personen, mit denen meine Familie Umgang pflegt, haben alle den gleichen Weg beschritten: eine Jugend, in der man seine Intelligenz gewinnbringend anzulegen versucht, in der man das Studienpotential wie eine Zitrone auspreßt und sich eine Spitzenposition sichert, und dann ein ganzes Leben, in dem man sich verblüfft fragt, warum derartige Hoffungen in einer so leeren Existenz gemündet haben. Die Leute meinen, sie verfolgen die Sterne, und dann enden sie wie Goldfische in einem Glas.“ „Doch eines ist sicher, ins Goldfischglas gehe ich nicht. Das ist ein wohlüberlegter Entschluß. Selbst für je-manden, der so intelligent ist wie ich, so begabt fürs Lernen, so anders als die andern und den meisten auch so haushoch überlegen, ist das Leben schon vollständig vorgezeichnet, und es ist zum Weinen traurig: Niemand scheint an die Tatsache gedacht zu haben, daß, wenn die Existenz absurd ist, darin zu glänzen und Erfolg zu haben keinen höheren Wert hat, als darin zu scheitern. Es ist nur angenehmer. Wenn über-haupt: Ich glaube, der Scharfblick macht den Erfolg bitter, während die Mittelmäßigkeit immer noch auf etwas hoffen läßt.“ „»Die Politik«, sagt sie. »Ein Spielzeug für die kleinen Rei-chen, das sie niemandem ausleihen.«“ „Sie wäre nie von selbst auf den Gedanken gekommen, daß jemand Stille brauchen könnte. Daß die Stille dazu dient, ins Innere zu gehen, daß sie notwendig ist für jene, die nicht nur am Leben draußen interessiert sind, kann sie vermutlich nicht verstehen, denn ihr Inneres ist genause chaotisch und laut wie das Draußen der Straße.“ „Als ich heute abend daran denke, mit einem Herz und einem Magen wie Pudding, sage ich mir, daß das Leben letztlich vielleicht das ist: eine Menge Verzweiflung, aber auch ein paar Momente der Schönheit, in denen die Zeit nicht mehr die gleiche ist. Es war, als hätten die Noten einen Spalt innerhalb der Zeit geöffnet, eine Art Unterbrechung, ein Anderswo im Hier, ein Immer im Nie. Ja, genau, ein Immer im Nie.“ Ja, dieses Buch ist in einem schönen Cover verpackt, aber literarisch keine leichte Kost. Dafür ist es eher ein kostbarer Leckerbissen, wenn man die Sprache und den Tiefgang lieben kann. Für mich war es etwas ganz besonderes. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️➕⭐️





























