Diese posthum veröffentlichte Werk hat es auf jeden Fall verdient, doch noch Licht der Leserschaft zu erblicken. Normalerweise bin ich skeptisch, bei solchen Nachlässen. Ich denke mir dann, dass Autorin bzw. Autor ja die bewusste Entscheidung getroffen hatte, das Werk nicht zu veröffentlichen. Warum ihnen dann nachträglich in den Rücken fallen. Hier war es anders, denn Böll wollte den Roman Anfang der 50er Jahre herausbringen, doch der Verlag lehnte diese Art von Trümmerliteratur ab. Diese Leute wollte nach deren Ansicht nicht an die Schrecken erinnert werden. Also zertückelte er den Roman und brachte Teile in Erzählungen unter. Gerade die Bedeutung des Brots für hungernden Personen in dem Buch erinnerte mich an "Das Brot der frühen Jahre". Böll schrieb dieses Erstlingswerk schon sehr gekonnt, äußerst atmosphärisch und symbolträchtig. Man hat beim Lesen das Gefühl, den sich den nur langsam verziehenden Kalkstaub der Trümmer am 08.05.1945 in Köln noch zu schmecken. Eine bewegende Geschichte, die trotz der vielen Tragik am Ende eine Hoffnung bietet, ohne dabei kitschig zu wirken. Mein Lieblingsschriftersteller Ende der 80er Jahre, den ich komplett gelesen habe.
14. Apr.14. Apr. 2024
Der Engel schwiegvon Heinrich Bölldtv Verlagsgesellschaft
