Richard C. Schneider ist es gelungen, auf etwas mehr als 200 Seiten allgemeinverständlich und differenziert auf fünf ausgewählte Fragen zu Israel einzugehen. Die Fragen und damit einhergehenden Themenkomplexe lauten: Ist Israel eine Demokratie? Ist Israel ein Apartheitstaat? Ist Kritik an Israel antisemitisch? Ist Israel ein fundamentalistischer Staat? Gehört Palästina den Palästinensern? Er liefert nicht nur interessante Antworten auf die Fragen, sondern zeigt auf, wie komplex die Situation im Nahen Osten ist. Das ist wichtig, weil es eben leider keine einfachen Antworten gibt, obwohl das viele Menschen gerne so hätten. Meine Befürchtung war anfangs, dass die Ausführungen einseitig werden würden. Diese Befürchtung wurde aber nicht bestätigt. Im Gegenteil gelingt es Schneider, nicht nur den Ist-Zustand zu beschreiben, sondern auch vergangene und aktuelle Entwicklungen einzuflechten. Ich musste nach jedem Kapitel eine Pause einlegen, um das, was ich gelesen hatte, zu verarbeiten und zu verinnerlichen. Denn auch wenn ich natürlich schon vorher wusste, dass einfache Antworten nicht greifen, so hat bei mir in den vergangenen Jahren doch ein stark vereinfachtes Denken in Bezug auf Israel Überhand genommen. Ich empfehle dieses Buch allen, die sich ernsthaft mit dem Themenkomplex Israel auseinander setzen möchten. Es ist ein guter Einstieg.
Knappe und gut verständliche Einführung in ein komplexes Thema.
Richard C. Schneider ist Autor, Journalist und war lange Auslandskorrespondent in Israel. In "Die Sache mit Israel" (Rezensionsexemplar), das im Frühjahr 2023 erschien, nimmt er sich den sogenannten Nahostkonflikt vor. Strukturiert ist das Buch in 5 Kapitel mit Titeln wie "Ist Israel eine Demokratie?", "Ist Israel ein fundamentalistischer Staat?", "Gehört Palästina den Palästinensern?"deren Beantwortung je nach Perspektive zunächst sofort klar scheint - welche der Fragen hättet ihr beim Lesen jeweils klar mit ja oder nein beantwortet? In jedem dieser Kapitel zeigt er dann aber fundiert auf, dass in den meisten Fällen eher ein klares jein gilt, weil sich Tatsachen über Jahre und Jahrzehnte ergeben oder verändert haben, weil es verschiedene Perspektiven gibt, weil Theorie und Praxis sich unterscheiden, weil die jeweiligen Lösungsansätze für die Probleme auch wieder einen Rattenschwanz an neuen Schwierigkeiten nach sich ziehen. Damit liefert Schneider auf unter 200 Seiten eine sehr lesenswerte Einführung ins Thema: Ja, Kritik an der isr. Regierung ist möglich. Ja, die Siedlungen im Westjordanland sind mit guten Gründen als völkerrechtswidrig zu verstehen, aber da es sich hier auch um einen ethnischen Konflikt zweier Gruppenn handelt und von palästinensischer Seite teilweise klare Vernichtungsabsichten geäußert werden, während auch Jüd*innen schon lang in der Region leben, ist eine Einteilung des Konflikts in white colonizer und durch Israel vernichtete Palästinenser*innen doch auch etwas kurz gegriffen. Und ja natürlich benötigt es eine Zweistaatenlösung, trotz allem, aber das Problem ist eben, dass wir hier auch einen Landkonflikt haben, bei dem die verschiedenen Seiten jeweils das gleiche Land für sich beanspruchen. Nach dem 7. Oktober ist das Buch mit Überarbeitung und Zusatzkapitel erschienen, was mich zu lesen nun sehr interessieren würde. Ich habe Schneider vergangene Woche beim Poet*innenfest auf dem Podium gehört und auch dort hat er es geschafft, so vermittelnd aufzutreten wie er es in seinem Buch tut. Mit sehr viel Kritik an den Kahanisten, über die er im Buch auch schreibt und an denen er aufzeigt, wie weit nach rechts die isr. Regierung gerückt ist. Dabei ist dann die Ersheinungszeit dieses Buchs besonders spannend und aufschlussreich. Denn nach dem 7. Oktober lässt sich aus diesem Sachbuch heraus sehr gut nachvollziehen, auf was für eine gespaltene Gesellschaft, machtfokussierte isr. Regierung und innenpolitische Konstellation der Angriff der H.mas traf. Wer sich schon länger mit der Region befasst, wird in dem Buch nicht unbedingt viel neues finden, kann aber glaube ich trotzdem gerade aus dieser zeitlichen Perspektive nochmal einiges mitnehmen. Außerdem gilt wohl gerade bei diesem Thema, dass es ein "zu viel" an Perspektiven, mit denen man sich befasst und Büchern, die man liest, nicht gibt. Und Schneider wird weder denen viel Freude bereiten, die das isr. Handeln per se als Notwendigkeit abtun, noch denen, die den Staat abschaffen wollen. Gerade darin liegt aber eine Stärke dieses so schmalen Buchs.
Sehr zu empfehlende Lektüre, für alle die etwas mehr Einblick in die Entstehung des jüdischen Staates und der damit verbundenen Konflikte bekommen wollen.
In *Die Sache mit Israel* bietet Richard C. Schneider eine prägnante und differenzierte Analyse der Geschichte und Gegenwart Israels. Er beleuchtet die Entstehung des Staates und die komplexen geopolitischen Verhältnisse, die zu seiner Gründung führten, sowie die Folgen für die palästinensische Bevölkerung. Schneider geht auf die problematische Landnahme und die Vertreibung der Palästinenser ein, die als einer der zentralen Konfliktpunkte betrachtet werden. Das Buch widmet sich auch den Vorwürfen der Apartheid gegenüber Israel, indem es die israelische Politik gegenüber den Palästinensern und die Siedlerbewegung kritisch untersucht. Schneider zeigt auf, wie radikale Strömungen innerhalb der israelischen Gesellschaft den Frieden gefährden. Gleichzeitig thematisiert er die radikalen Bewegungen der Palästinenser und die Vernichtungsphantasien arabischer Nachbarstaaten, die die Region weiterhin destabilisieren. Schneider zeichnet das Bild einer gespaltenen israelischen Gesellschaft, die von tiefen ideologischen Gräben geprägt ist, und geht auf die unterschiedlichen politischen Strömungen beider Seiten ein. Das Buch bietet m.E. eine ausgewogene und fundierte Perspektive auf den Nahostkonflikt und ist eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die das Thema vertieft verstehen wollen.
Guter Überblick
Das Buch hat sich die wesentlichen Fragen rund um die staatliche Rechtmäßigkeit Israel vorgenommen. Hat dabei auf geschichtliche Aspekte und religiöse Hintergründige hingewiesen. Der Vorwurf der Apartheidspolitik wurde ebenso beleuchtet. Fazit aus meiner Sicht ist, dass das vorliegende Buch einen sehr gute Einstieg in die Thematik bietet. Wer mehr über den geschichtlichen Gesamtrahmen erfahren möchte, wird enttäuscht werden. Ich meine der Autor hatte auch nicht den Anspruch ein Standardwerk in dieser Hinsicht in nur neun Monaten zu schreiben. Sichtweisen und Erfahrungen aus der Zeit in der der Autor in Israel lebt geben einen persönlichen Eindruck und Kontext zu heute. Nach dem 07.10.2023 werden Teile der Geschichte neu betrachtet und beschrieben werden müssen. Ich kann das Buch empfehlen.



