29. Apr.
Bewertung:3.5

Kontrastreiche Schilderung einer Fahrt mit der Transsib

„Alles ist in Bewegung: der Schnee, das Wasser, die Luft, die Bäume, die Wolken, der Wind, die Städte, die Dörfer, die Menschen und die Gedanken.“ (R. Liksom - Abteil Nr. 6 - S. 158) Die Sowjetunion der späten 1980er Jahre. Eine junge Finnin und ein Mann, der sich als Wadim Nikolajewitsch Iwanow vorstellt, sitzen in Abteil Nr. 6 der transsibirischen Eisenbahn auf dem Weg nach Ulan Bator. Eine Zwangsgemeinschaft, der die junge Frau zunächst zu entfliehen versucht, da sich der Mann herablassend, sprachlich übergriffig und vulgär zeigt. Doch die Zugbegleiterin kommt der Bitte der jungen Frau nicht nach und so muss sie sich irgendwie in ihr Schicksal fügen. Der Fremde hält seine kruden Monologe und die Frau schweigt, hasst den Mann, koexistiert mit ihm, verlässt sich zunehmend auf ihn - und flüchtet sich in ihre Erinnerungen an Mitka und Irina, Mutter und Sohn, die sie in Moskau geliebt hatte. Eigentlich hatte sie die Reise auch nicht alleine antreten wollen - aber dann war alles anders gekommen. Rosa Liksoms Roman lebt von seinen Kontrasten. Der mitteilsame, ungehobelte russische Bauarbeiter wird mit der schweigsamen finnischen Archäologin und ihren Gedanken an zarte Liebesgeschichten kontrastiert; die hässlichen Vorstädte vor die umgebende, poetisch geschilderte Landschaft gestellt. Während mich die Monologe des Mannes häufig abgestoßen haben, weil in ihnen Vorurteile repliziert werden und wirklich kein rotes Tuch ausgelassen wird, haben mich die Landschaftsbeschreibungen begeistert. Durch die Art, wie Attribute der vorbeifliegenden Landschaft aneinander gereiht werden, hat man das Gefühl, selbst aus dem Fenster zu schauen und das Erlebnis der Zugfahrt mit den Figuren zu teilen. Dabei hat der Text seinen eigenen Sound. Die Stationen auf dem Weg nach Ulan Bator sind wie Strophen, die durch die wiederkehrenden Beobachtungen von Menschen, Häusern, Wolken… voneinander getrennt werden. Zur Instrumentierung gehören das Schnarchen des Mannes, wenn er nach dem Genuss von reichlich Alkohol eingeschlafen ist, die klassische Musik, die immer wieder aus den Lautsprechern dröhnt, das Schnaufen der alten Lok, die sich hin und wieder in den Bahnhöfen ausruhen muss… Insgesamt lässt mich der Roman mit gemischten Gefühlen zurück. In gewisser Weise spiegelt er meine eigene widersprüchliche Beziehung zu Russland. Es gibt Dinge, die mich verstören und fassungslos machen, Dinge, die ich nicht verstehe. Und dann ist da diese unerklärliche Faszination und Sehnsucht, die trotz allem bleibt und mich weiterhin von einer Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn träumen lässt…

Abteil Nr. 6
Abteil Nr. 6von Rosa LiksomDVA
6. März
Bewertung:2

Der Humor in dieser Geschichte (die eigentlich keine ist) ist mir völlig entgangen. Leider tat dazu auch noch die mMn völlig missglückte Audioversion die ich gehört habe ihr Übriges.

Abteil Nr. 6
Abteil Nr. 6von Rosa LiksomDVA