Nils Pickert schreibt in Lebenskompliz*innen (2022) darüber, wie Beziehungsgestaltung auf Augenhöhe funktioniert. Dabei bringt er viele Beispiele aus seiner eigenen (heterosexuellen, monogramen) Beziehung, hat jedoch die Vielgestaltigkeit zwischenenmenschlicher Beziehungen im Blick. Es ist befreiend, wie er die romantische Liebe von ihrem Podest hebt, um sie von überladenen gesellschaftlichen Vorstellungen zu entlasten. Stattdessen ist Liebe nach Pickert eben genau so, wie sie für die Menschen, die an ihr beteiligt sind, ist. Und Beziehungen können und sollten so gestaltet werden, dass die Menschen in ihnen sich darin wohl fühlen. So banal das klingt, braucht es eine Menge an Arbeit, Wohlwollen und Interesse, um eine solche Beziehungsgestaltung zu ermöglichen. Wie das für ihn bislang funktioniert hat, beschreibt Pickert in Lebenskompliz*innen.
Zu bildhafter Schreibstil
Ich würde das Buch so gerne mögen. Ich kann es aber nicht gut lesen. Habe jetzt nach längerer Zeit einen zweiten Anlauf unternommen, aber es passt nicht. Der Autor hat eine sehr lebendige, bildhafte Sprache. Generell mag ich das. Wenn ich aber in jedem Satz eine Metapher habe, die ich mir vorstelle und einordnen möchte verbrauche ich zu viel Energie dafür und kann dem Inhalt nicht mehr folgen. Das ist sehr schade. Es hätte ein Match werden können.
Zu Nils Pickert habe ich schon nach der Lektüre seines ersten Buches „Prinzessinnenjungs“ aufgesehen. Nun habe ich „Lebenskompliz*innen“ teils vor, teils nach der Geburt unseres Sohnes gelesen und es half mir sehr zu reflektieren, worin unsere Beziehung schon gut funktioniert und woran wir noch arbeiten können. Ein sehr gutes Buch, das die „romantische Liebe“ dekonstruiert und an ihre Stelle das Wagnis einer möglichst gleichberechtigten „Beheimatung ineinander“ stellt.


