Interessant und etwas verwirrend
„In der Ruhe liegt der Wahnsinn” bietet intime und humorvolle Einblicke in Adam Fletchers Privatleben und seine Erfahrungen in einem Schweige-Retreat. Die Einblicke in den Ablauf eines Schweige-Retreats und speziell die Vipassana-Meditation fand ich sehr faszinierend. So einen straffen Zeitplan und tatsächlich so viel Meditation hätte ich mir gar nicht vorgestellt. Da Fletcher von seiner Partnerin dort angemeldet wurde, landet er eher unfreiwillig dort und das spürt man beim Lesen auch. Mit der Zeit lässt er sich jedoch immer mehr darauf ein und gewinnt erstaunliche Erkenntnisse über sich selbst. Ich bewundere, wie offen Fletcher über seine inneren Dämonen spricht und wie er uns an seinen aufwühlenden Erfahrungen teilhaben lässt. Für meinen Geschmack war das Buch jedoch etwas zu humorvoll, denn durch all die Einschübe und Wiederholungen gerade zu Beginn des Retreats geriet mein Lesefluss ins Stocken. Zudem wurde vieles bewusst überspitzt dargestellt, wo vielleicht etwas mehr Ernsthaftigkeit angebracht gewesen wäre. Die eingeschobenen Rückblenden im Privatleben erklären Fletchers schwierige Situation: Seine Frau und er verzweifeln an dem Versuch der Befruchtung und dies wirkt sich enorm auf deren Beziehung aus. Auch hier hat es mir manchmal ein wenig an Tiefgründigkeit gefehlt – es ist ein ernstes Thema, doch durch den Schreibstil konnte ich nicht so richtig mitfühlen. Insgesamt ist es ein interessantes Buch für jeden, der mal in ein Schweige-Retreat reinschnuppern möchte und auch gerne mehr über das Privatleben des Autors erfahren möchte.

