16. März
Bewertung:3

“... wer kann einem sagen, wie es ist, ein glücklicher Mensch zu sein? Wo findet man so jemanden? Ich weiß, dass ich gerade dabei bin aufzugeben. Es wird mir nicht mehr gelingen, ein glücklicher Mensch zu werden, deshalb werde ich jetzt ein glücklicher Hund.” Die Protagonistin von Alma Mathijsens “Ich will kein Hund sein” hat Liebeskummer. Allumfassenden, nichts anderes zulassenden Liebeskummer. Sie und ihr Freund haben sich auseinandergelebt, sie gibt sich ganz dem Herzschmerz, der Melancholie, der Nostalgie hin. Hängt sich an die Vergangenheit, als noch alles gut war, verzweifelt an der Gegenwart & wünscht sich einfach nur, dass es aufhört. “Glücklicherweise” lebt sie in einer Welt, in der es Menschen möglich ist, ihrem Kummer zu entfliehen, mit den verlorenen Partner:innen wieder vereint zu werden um dann mit Liebe überschüttet zu werden. Ganz simpel indem sie sich einer Transformation unterzieht & sich in einen Hund verwandeln lässt. Die erste Hälfte der Novelle, die an ein modernes Märchen erinnert, ist geprägt vom Liebeskummer der Protagonistin; der zweite Teil ist der Verwandlung gewidmet & sehr amüsant zu lesen, v.a. wenn sie plant, was für ein braver Hund sie ihrem Exfreund sein wird. Ohne zu spoilern (der Titel es ja schon verrät): vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, ein Mensch zu sein, mit menschlichen Gefühlen, auch wenn diese nicht immer angenehm sind. “Nach innen explodieren. Für alle unsichtbar.” - dieser Satz ist hängengeblieben, als grandiose Beschreibung, aber auch als der Fehler, den wir Menschen oft begehen, unsere Gefühle der Harmonie zuliebe in uns begraben. Von meinem Hund kenne ich das nicht – sie zeigt immer zu min. 150% was sie grade fühlt

Ich will kein Hund sein
Ich will kein Hund seinvon Alma MathijsenC.H.Beck