Eigentlich klingt es ganz interessant, eine Frau, die 30 Jahre in ihrer Wohnung eingemauert, verbringt. Das Buch setzt sich aus mehreren, mich irgendwie verwirrenden Geschichten, zusammen. Die letzten 50 Seiten habe ich nur noch quer gelesen.
Das ganze ist zwar fiktiv aber es gab eine Frau die sich 30 Jahre in ihrer Wohnung eingemauert hat. ich mochte das die einzelnen Geschichten der Personen am Ende zu einem ganzen zusammen liefen und die verschiedenen Personen hatten auch sehr interessante Geschichten.
Ein mitreissendes Buch über eine Frau, die ängstlich mit ihrer Schwester und ihrem Schwager zusammenlebt. Als beide verschwinden und sich Unruhen im Land ankündigen, mauert sie sich kurzerhand in ihrer Wohnung ein. Doch die Vergangenheit holt sie ein...
Ein sehr gut gemachtes, vielschichtiges Buch. Es werden Sachen erzählt, kurz darauf ändert sich die Erzählperspektive und alles sieht plötzlich irgendwie anders aus. Wunderbar erzählt, ein echter Lesetipp!
Ludovica bringt versehentlich einen Menschen um und verscharrt ihn auf ihrer Terrasse. Aus Angst, geht und ging sie nicht mehr auf die Straße und mauert sich in ihrer Wohnung ein. 30 Jahre lang, bekommt sie nichts von ihrer Umwelt mit. Manchmal nur, wenn es Strom gibt, hört sie Radio. Ihre Wohnung ist im elften Stock eines Hochhauses in Luanda, Angola. Während draußen, vor ihrem Fenster, die Menschen um Unabhängigkeit von Portugal kämpfen, versucht sie möglichst unsichtbar zu bleiben. Ernährt sich von dem was sie in ihrer Wohnung findet und was sie auf ihrer Dachterrasse anbauen kann.
Der Autor José Eduardo Agualusa erzählt eine Geschichte, die wahr sein könnte. Er verstrickt viele kleine Geschichten zu einer Großen. Geschickt, verknüpft er die Personen miteinander, so daß doch wieder alles zu der Wohnung im elften Stock führt. Wie viel davon fiktiv ist und was aus dem wahren Leben stammt, das verrät uns der Autor nicht. Nur soviel, daß die Zeitungen ihm genügend Material lieferten.
Wie immer, wenn es um Ungerechtigkeit geht, vergessen viele Menschen, was sie für schlechte Dinge getan haben. Und darauf scheint Agualusa abzuzielen. Vergessen, was schlecht war, vergessen werden, vergessen, woher man stammt und wohin man gegangen ist.
Wenn man versucht die Geschichte ohne Hintergründe zu lesen, dann findet man eine außerordentlich lustige Geschichte und spaßige Figuren. Mit Tragik, Gerechtigkeit und Groteske gewürzt. Ein Roman, der sich schnell wegliest und doch tiefgründig ist. Figuren, die interessant sind und viel Raum zum Hineindeuten lassen. Ein klasse Buch und eine seltsame Geschichte.
Ich habe es gleich zweimal gelesen. Es hat mich amüsiert, erinnert, nachdenklich gemacht und auf die Suche nach Wissen geschickt. Ich kann es nur empfehlen zu lesen.
Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman, weil er in einem Land spielt, über das ich bislang im Rahmen meiner BUCHweltreise noch nichts gelesen habe. Klingt auf den ersten Blick simpel und unspektakulär, bedeutet aber bei genauem Hinsehen so viel mehr. Denn dieses Projekt erweitert die Auswahl der zu lesenden Bücher auf eine für mich ungewöhnliche Weise und hat mich bereits ein ums andere Mal aus meiner Lesekomfortzone herausgeholt, indem es mir Geschichten von Menschen aus anderen Kulturen präsentiert und Einblicke in Politik und Geschichte von Ländern gewährt, von denen ich oft nicht viel mehr weiß, als dass es sie gibt. Dieses Mal stieß ich dabei auf einen Roman, der sich für mich ein wenig sperrig las, der jedoch ungewöhnlich daher kam und bei dem sich die einzelnen zum Teil kuriosen Informationen nach und nach wie Puzzle-Teile zu einem großen Gesamtbild zusammenfügten.
José Eduardo Agualusa erzählt in seinem Roman „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ vom Wandel und von den Wunden seiner Heimat Angola, indem er eine fantastische und doch ganz und gar wahre Geschichte rund um die junge Ludovica webt, die sich für dreißig Jahre in ihrer Wohnung einmauert, nachdem sie am Vorabend der angolanischen Revolution einen Einbrecher in Notwehr erschossen hat.
Bereits im Vorwort erfährt man, dass der Autor hierfür die Kopien von den zehn Heften, in denen Ludo Tagebuch geführt hatte mitsamt den zahlreichen Fotografien von Ludos Texten und Kohlezeichnungen an den Wänden ihrer Wohnung als Grundlage dafür nahm, ihr Drama nachzuempfinden und einen fiktiven Roman daraus zu machen.
Nach und nach erfährt man in dem Buch die Geschichte der zurückhaltenden und sehr ängstlichen Ludo und was sie so handeln lässt, wie sie letztlich tut. Man erlebt ihre Zeit der Selbstisolation und wie sie diese übersteht. Allmählich offenbart sich so das ganze Ausmaß ihrer Lebensgeschichte mitsamt seiner von gesellschaftlichen Konventionen geprägten Tragik.
Aber auch das Leben außerhalb ihrer Mauern geht weiter und obwohl Ludo isoliert lebt, hat ihr spartanisches Leben dennoch Auswirkungen auf ihre Umgebung und somit auf andere Menschen. Auch davon erzählt der Autor und fügt der Geschichte immer wieder neue Teile hinzu, indem er Personen und Geschehnisse näher beleuchtet. So ergibt sich am Ende ein großes Gesamtbild, in dem sämtliche Beziehungen untereinander klar und Erzählstränge geschlossen werden, bis keine Fragen mehr übrig bleiben.
Tatsächlich waren es für mich manchmal zu viele Personen, die sich den Platz in diesem knapp 208 Seiten starken Buch teilen müssen und manchmal doch eher blass bleiben. Das sorgte neben den fremdklingenden Bezeichnungen dafür, dass ich manchmal den Überblick zu verlieren drohte. Die im Anhang aufgelisteten Ortsnamen und das Verzeichnis mit den Begriffen und Personen konnten hier ein wenig Abhilfe schaffen. Auch war es für mich hilfreich, da ich von Angola nicht viel mehr wusste, als dass es ein Land in Afrika ist, mich gleich zu Anfang des Buches zunächst ein wenig mit der Geschichte Angolas zu beschäftigen, um das Gelesene besser einordnen zu können.
„In den Monaten nach der Unabhängigkeit sah er die Tragödien, die er vorausgesagt hatte, eine nach der anderen eintreten: die Flucht der Kolonisten und eines Großteils der einheimischen Bourgeoisie, die Schließung der Fabriken und kleiner Geschäfte, den Zusammenbruch der Wasserversorgung, der Stromversorgung, der Müllabfuhr, die Massenfestnahmen, Erschießungen.“ (S. 171)
Der Autor nimmt einen mit in diese Zeit voller Ungerechtigkeit und Brutalität, die man sich als Fiktion wünscht, in der jedoch immer auch ein wenig fürchterliche Wahrheit mitschwingt.
„Schüsse auf der Straße, ganz nah. Schüsse ziehen Schüsse an. Ein Schuss in die Luft, und schon folgen Dutzende nach. In einem Land, in dem Krieg herrscht, genügt ein Knall. Der kaputte Auspuff eines Autos. Eine Feuerwerksrakete. Irgendwas.“ (S. 23)
„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ stand auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2016 und wurde 2017 mit dem Internationale Dublin Literary Award ausgezeichnet.