Was für eine unglaublich tolle und spannende Geschichte... Eigentlich eine Geschichte in einer Geschichte... Und obwohl das Buch mit 624 Seiten sehr umfangreich ist, so ist es doch echt genial erzählt. Die jeweiligen Orte, die Begebenheiten, Gerüche, das Aussehen der Leute, die Mimik wurden klasse recherchiert und dargestellt, als Leser kann man super in die Situation eintauchen und lässt die Geschichte noch bildhafter erscheinen. Geschichtlich ist es ja auch nach einer wahren Begegenheit und Personen empfunden, die es wirklich gegeben hat, was das Ganze nochmal spannender und interessanter macht. Auch den Werdegang der Hansen kennenzulernen, die dortigen Abläufe, gerade auch was die Rechtslage der einzelnen Länder angeht. Die Handlung um Moses und Rebecca hat mich sehr berührt, was die beiden in jungen Jahren erleben mussten, was aus ihnen geworden ist und wie sie ihr Leben trotz der schlimmen Umstände bewältigt haben und was aus ihnen geworden ist, das ist wirklich fesselnd. Beide Charaktere sind sehr symphathisch, mutig und hilfsbereit. Auch wenn es zwischenzeitlich mal etwas derber zugeht und es einige Szenen gibt, die doch ganz schön brutal sind, aber letztendlich war es zu der Zeit leider so. Angriffe auf Koggen, Handelsschiffe und der Konflikt zwischen Alexander von Novgorod (Newski) und dem Deutschen Orden und vielen weiteren werden anschaulich geschildert, doch geschichtlich wirklich eine beeindruckende Zeit. Was mir außerdem sehr gefallen hat, wie der Glaube in diesem Buch immer wieder hervorgehoben wurde. Man lernt viele Personen kennen, für die der Glaube an Gott in dieser schweren Zeit so wichtig war und Mut zum Überleben gegeben haben. Zusammenhalt, Unterstützung, aber auch Verrat und Machtmißbrauch - eine ausgewogene Mischung, die das Buch zu etwas ganz besonderem macht und den Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten, ein Erlebnis jagt das Nächste und man bangt die ganze Zeit mit, ob das alles gut geht. Der Schluss ist anders und überraschend, doch rundet die Geschichte wirklich gut ab. Dieses Buch ist in meinen Augen ein besonderes Highlight in diesem Jahr. Eine Kombination aus historischen Begebenheiten und Personen, zusammen mit einer spannenden Story, die in sich auch wieder eine Geschichte ist und so gut und interessant geschrieben, dass man es nicht aus der Hand legen mag. Der Schreibstil ist sehr angenehm, obwohl man manches Mal etwas überlegen oder kombinieren muss, da es auch viel Hintergrundwissen über Koggen, Kontorabläufe, rechtliche Abläufe uvm. gibt, doch genau das macht es einfach zu einem Bestseller!
Meinung / Fazit: Der Klappentext und das Cover hat mich neugierig auf diesen Roman gemacht. Der Autor entführt einen in das mittelalterliche Lübeck. Gut recherchiert liest sich der Roman flüssig und man kann sich einiges bildhaft vorstellen. Was auch sehr schön gestaltet ist, ist die Karte die einem sofort ins Auge springt. Eine Liste mit wichtigen Personen sowie ein Glossar finde ich persönlich sehr gut. Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Im ersten Teil treffen wir auf ein Kind, welches durch einen Piratenangriff den Vater und fast auch das eigene Leben verliert, aber zurück ins Leben findet. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Ratsherren Morneweg und dem Leben in einer Stadt mit reichen Kaufleuten und armen Menschen.
In „Das weisse Gold der Hanse“ entführt uns Ruben Laurin ins 13. Jahrhundert und erzählt uns die Geschichte des seinerzeit reichsten Lübeckers Bertram Morneweg. Erschienen ist der Roman im Oktober 2019 bei Bastei Lübbe. Ostsee, 1231: Bei einem Piratenüberfall verliert der junge Moses seinen Vater und sein Gedächtnis, doch sein Gelübde soll er nie vergessen: Wenn er dem Tod noch einmal von der Schippe springt, möchte er ein Hospital gründen, in dem Alte und Schwache Zuflucht finden können. Von einem brutalen Kapitän wird er aus der Ostsee gefischt und dessen Sklavin Rebecca rettet ihm das Leben. Sie gibt ihm seinen neuen Namen Moses. Gemeinsam mit ihr gelangt er nach Lübeck und der beschwerliche Weg in eine goldene Zukunft beginnt. Als Kaufmannslehrling bereist er die Ostsee und gelangt auf seinen Abenteuern sogar bis an den Peterhof der Rus. Wenn man den Titel liest, könnte man annehmen, dass es in diesem Roman um Salzhandel geht. Dies ist allerdings nich der Fall und auch die Hanse ist erst im Begriff zu entstehen. Die Kaufleute haben zu jener Zeit erst begonnen sich als Verbund von mehreren Schiffen zusammen zu tun, um sich gegenseitig schützen zu können. Den Titel des Buches finde ich daher etwas irreführend. Nichtsdestotrotz hat das Buch eine spannende Geschichte zu erzählen und ich lerne immer gerne etwas über die Gegend, in der ich wohne. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. 1275 erzählt Bertram Morneweg einem jungen Maler die Geschichte von Moses und Rebecca. Der Schreibstil war über den gesamten Roman gut und flüssig zu lesen, dennoch gab es gewisse Variationen in den verschiedenen Zeiten. In den Teilen, die in der Vergangenheit spielen war ich deutlich besser drin. Irgendwie fühlte sich 1275 ein bisschen distanzierter für mich an, was zum Beispiel daran lag, dass geschrieben wurde „Der Herr Morneweg tut dies, der Herr Morneweg tut das“. Ich habe nicht so ganz verstanden, warum man nicht nur Herr Morneweg geschrieben hat, sondern noch ein Der davor setzen musste. Den Spannungsbogen empfand ich über den gesamten Roman recht gleichbleibend, auch wenn natürlich einige gefährliche Szenen dabei waren. Vielleicht lese ich solche Geschichten mittlerweile mit einem gewissen Gleichmut. Ich habe die Geschichte von Moses und Rebecca gerne verfolgt, auch wenn sie teilweise von sehr viel Glück begleitet wurde. Moses hat auf jeden Fall ein Talent dafür, besondere Freunde für seinen Lebensweg zu finden. Rebecca hat in jungen Jahren schon viel erlebt und steht ihm mit guten Ratschlägen jederzeit zur Seite. Sie ist entschlossen, Moses auf einen guten und erfolgreichen Weg zu bringen und nutzt hierfür alle Möglichkeiten, die ihr gegeben werden. Besonders ans Herz gewachsen ist mir in diesem Roman ein Nebencharakter: Fridolin Sak. Mit seinem unvergleichlichen Humor und dem unbedingten Willen nochmal zur See zu fahren, obwohl ihm kein Kapitän mehr eine Chance geben möchte, hat er mir sehr imponiert. Moses und er knüpfen ein ganz besonderes Band. Aus dem Roman kann man unheimlich viel Wissen mitnehmen. Die gesamte Ostsee wird bereist. Man besucht Wismar, Visby, Reval (Tallinn), Riga und den Peterhof der Rus. Wir erfahren etwas über den Handel jener Zeit, sind auf Kaufmannsfahrten dabei, lernen etwas über unterschiedliche Rechtssysteme sowie die Kaufmannslehre und auch interessante Fakten zur Stadt Lübeck sind dabei. Sogar der Ort, in dem ich wohne wird namentlich erwähnt, worüber ich mich immer besonders freue. Darüber hinaus erfahren wir einiges über die Arbeit und das Leben in einem Armenhospital und Antisemitismus spielt in kleinerem Rahmen eine Rolle. Geschichten, die in Lübeck spielen, sind immer etwas ganz Besonderes für mich. Ich gehe dort einkaufen und die Stadt hat eine wunderschöne Altstadt. Das Heiligen-Geist-Hospital, das in diesem Buch gebaut wird, steht heute noch und auch die Straßennamen, die dort erwähnt werden, gibt es heute noch. Es sieht bestimmt deutlich anders aus als 1233 oder 1275, obwohl die Altstadt definitiv einen mittelalterlichen Charme behalten hat. Alleine die Tatsache, dass einige Straßen noch genauso heißen wie 750 Jahre zuvor und dass da noch Gebäude stehen, die in dieser Zeit gebaut wurden, finde ich faszinierend. In seinem Nachwort legt der Autor Ruben Laurin dar, wie ihm die Idee zu der Geschichte kam und dass er diesen Roman aus Fakten sowie Legenden erschaffen hat. Die Mischung ist dem Autor gut gelungen, auch wenn viele Personen im Roman fiktiv sind, deren Schicksale beruhen dennoch auf Fakten, weil dies anderen historisch verbürgten Personen so ähnlich passiert ist. Für mich hätte das Nachwort gerne länger sein können. Man merkt aber dem gesamten Buch an, dass viel Recherche drin steckt. Am Anfang des Buches findet man ein Personenverzeichnis, in dem die historischen Personen gekennzeichnet sind, sowie eine Zeittafel. Ein Glossar mit mittelalterlichen Begriffen befindet sich ganz am Ende des Buches. Die Bedeutungen der Worte werden allerdings auch gut im Kontext des Romanes erläutert wie ich finde. Fazit: Ein toller historischer Roman, dessen Geschichte zu großen Teilen fiktiv ist, aber auf Fakten beruht. Man kann unheimlich viel über den Handel in der Ostsee und das Leben in den dazugehörigen Handelsstädten lernen. Empfehlenswert für alle, die gerne in mittelalterlichen Kaufmannsgeschichten abtauchen oder sich, so wie ich, für die Geschichte ihrer Heimat interessieren.
Mit „Das weiße Gold der Hanse“ ist ein weiteres Buch aus der Feder von dem Autor Ruben Laurin erschienen. Wobei der Name ein weiteres Pseudonym eines Autors ist, von dem ich schon mehrere Bücher gelesen hatte. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht und da ich bereits weitere historische und auch fantastische Werke von diesem Autor mit Genuss gelesen habe war mein Interesse sofort geweckt. Und ich war gespannt, welche Geschichte dieses Mal erzählt wird und daher stürzte ich mich voller Vorfreude in ein neues Abenteuer. Klappentext: Lübeck 1232: Der Waisenjunge Bertram weckt völlig unverhofft das Mitleid einer reichen Kaufmannstochter. Aber die zarte Liebe ist unmöglich. So heuert er als junger Mann bei einem Hanseschiff an, um sein Glück zu machen. Als sich das Schicksal nach vielen gefährlichen Abenteuern gegen ihn zu wenden droht, gelobt er: Wenn der Tod ihn noch einmal verschone, werde er einen Ort der Barmherzigkeit für die Alten und Schwachen erbauen. Und er setzt alles daran, sein Gelübde zu erfüllen. Zuerst möchte ich erwähnen, dass der Titel leider irreführend ist, dieser passt einfach nicht zum Inhalt des Buches und führt zu falschen Erwartungen. Dies ist kein reiner Hanseroman, in dem der Handel von Salz oder anderen Gütern der damaligen Zeit im Mittelpunkt steht. Zwar ist die Hanse und auch der Handel Teil der erzählten Geschichte, steht aber eher im Hintergrund. Positiv möchte ich im Gegensatz dazu die Gestaltung des historischen Romans erwähnen. Im Buch ist eine hilfreiche Karte, ein umfangreiches Personenverzeichnis und eine interessante Zeittafel, sowie ein Glossar mit den wesentlichen Begriffen beigefügt wurden. Lauter Dinge, die das Leserherz höherschlagen lässt. Solche Extras empfinde ich bei historischen Romanen immer als recht ansprechend und daher nutze ich sie ganz gerne während des Lesens. Gekrönt wird dieses Buch durch ein beigefügtes Nachwort, in dem der Autor nochmal auf die historischen Umstände und auch auf die Person Bertram Morneweg eingeht, auch wird auf die Mixtur von Fakt und Fiktion nochmal näher eingegangen. Der Schreibstil von Laurin hat mir auch dieses Mal wieder zugesagt. Dieser ist angenehm und lässt sich flüssig lesen. Sein bildgewaltiger Stil schafft es, dass ich mir alles gut vorstellen kann. Man wird in eine vergangene Zeit versetzt und bekommt dabei einen guten Eindruck über die damaligen Verhältnisse. Ein Bild wird gemalt, wie es damals vielleicht gewesen sein könnte. Dieser historische Roman besteht aus zwei Erzählsträngen. Hierbei bekommt man in dem einen Strang einen Einblick über das Leben des gutmütigen Kaufmanns Bertram Morneweg. Man erfährt das ein oder andere interessante Detail aus seinem Leben. Dieser Charakter ist eine historische Person, welche mir vor dem Buch leider vollkommen unbekannt war. Daher hat es mir umso mehr Spaß gemacht, seine Geschichte zu lesen. In der anderen Perspektive erzählt Bertram Morneweg dem jungen Maler Johannes eine Geschichte. Diese spielt etwa vor vierzig Jahren im Vergleich zum Haupterzählstrang. In diesem Part wird die Geschichte von Moses erzählt. Wie er mit seinem Vater auf seinem Schiff unterwegs war, dieses jedoch von Piraten gekapert wurde und wie er deswegen in die Hände vom Kapitän Jacobi gelangen konnte. Auch wird berichtet, wie dieser Junge die Jüdin Rebecca kennenlernt und welche Abenteuer diese beiden erleben. Wie sie immer mehr wie Geschwister zusammenwachsen und wie der eine den anderen braucht. Im Verlauf des Buches wird auch klar, wie die beiden Perspektiven zusammengehören und was Bertram Morneweg mit dem Moses gemeinsam hat. Im Mittelpunkt stehen Bertram Morneweg, aber auch die Geschichte des jungen Moses. Morneweg ist ein angesehener Kaufmann, welcher in Lübeck im 13. Jahrhundert lebt. Er ist ein Förderer der Stadt und der Kirche. Er lebt ein erfülltes Leben an der Seite seiner Frau. Dieser Kaufmann ist an dem Bau eines kirchlichen Hospitals als finanzieller Förder beteiligt. Dem jungen Maler Johannis erzählt er eine Geschichte, welche ihn aufmuntern soll. Diese Erzählungen handeln von Moses und seinem Lebensweg. Besonders den Erzählstrang von Moses habe ich mit Begeisterung mitverfolgt. Dieser Junge musste vieles in seinem noch recht jungen Leben erleiden, dabei musste er einige Hürden meistern, aber manchmal meinte es das Leben auch gut mit ihm. Seine Erlebnisse waren abenteuerreich und vielseitig, dabei haben sie das Buch bereichert. Der Spannungsbogen wird leider nicht immer aufrechterhalten. Zu Beginn wird der Leser in ein Abenteuer gestoßen, langsam lernt man die Protagonisten kennen. Immer mehr Zusammenhänge werden erkennbar. Manche Szenen sind hierbei spannender als andere. Besonders das zweite Viertel empfand ich als etwas schwach. Dennoch fängt sich die Geschichte meiner Meinung nach wieder, es kommt wieder Schwung in die Story. Manchmal gibt es Szenen, die plätschern nur so dahin. Und dann gibt es Passagen, von denen würde man gerne mehr lesen. Manches wird nur in einem Nebensatz angedeutet, von denen ich nur zu gerne mehr gelesen hätte. Besonders am Ende des Buches erging es mir mehrmals so. Hier hatte ich das Gefühl, dass schnell alle offenen Fragen geklärt werden mussten. Ein paar mehr Ausführungen auf den letzten Seiten hätten diesem Buch gutgetan. Dafür vielleicht ein paar Kürzungen im mittleren Teil. Insgesamt hat mir der neue historische Roman von Ruben Laurin mit dem Titel „Das weiße Gold der Hanse“ gut gefallen. Ein paar kleinere Schwächen hatte es meiner Meinung nach, dennoch ist es ein solider Roman, welchen ich mit Freude gelesen habe. Besonders den Weg, welchen Moses bestreiten musste, empfand ich als spannend und konnte mich begeistern. Daher möchte ich insgesamt 4 Sterne vergeben.



