Briefe, die verändern
Okay, wow. Ein unglaubliches Buch. Eine besondere Erzählform. Wundervolle Charaktere. Ein Buch, das man lesen muss. Die Protagonistin Celie erzählt ihre Geschichte in Form von Briefen, die sie an Gott schreibt. Anfang des 20. Jahrhunderts in Georgia wächst die unscheinbare Celie in einem lieblosen Elternhaus auf, in dem ihr Furchtbares angetan wird (TW: sexualisierte Gewalt). Ihr Vater kann sie außerdem gar nicht schnell genug loswerden und verheiratet sie mit einem anderen herzlosen Mann. Doch sie hat Glück, und in dessen Haus begegnet sie einer ungezügelten Schönheit und Sängerin. Durch sie wird sie eine Form von Liebe kennenlernen, die sie verändern wird. Etwas später im Buch löst sie sich auch davon, Gott zu schreiben, und tritt stattdessen in einen "Briefwechsel" mit ihrer Schwester. Sie entwächst ihrer gottesfürchtigen Erziehung, und auch mit ihrer Schwester kommt ein interessanter Erzählstrang hinzu. Man fiebert mit, ob sich die beiden je wieder begegnen werden, nachdem sie durch Celies Heirat voneinander getrennt wurden. Die Farbe Lila hat mich wirklich gerührt und beeindruckt. Der Roman fängt so tragisch und schmerzvoll an, doch mit der Zeit entspringen dieser Erzählung kleine Knospen der Hoffnung und erblühen an den verschiedensten Stellen im Leben vieler der auftretenden Figuren. Das fühlt sich unglaublich schön und bestärkend an, so vieles in unserer Gesellschaft zu hinterfragen. Die Farbe Lila ist ein unglaublich vielschichtiger Roman. Die Auseinandersetzung mit dem Patriarchat, seinen schrecklichen Folgen für viele Frauen und damit, wie sie sich zur Wehr setzen müssen oder daran zugrunde gehen. Auch das Hinterfragen eines vom Patriarchat geformten Gottes ist unglaublich spannend zu lesen und war für mich, der sich seit langem von Religion komplett fernhält, ein guter und wichtiger Reminder. Auch das rassistische System, dem Schwarze Menschen in den USA hilflos und willkürlich ausgesetzt sind, wird thematisiert. Und schließlich auch die Frage der Liebe. Muss Liebe oder müssen Beziehungen gesellschaftlichen Normen entsprechen? Sollte man sich Liebe verwehren? Sollte man nicht womöglich so viele Menschen lieben, wie es das Herz zulässt? Dieses Buch stellt sich so vielen wichtigen Fragen. Ich habe es sehr geliebt. Tipp: Es ist einfach das perfekte Buch für einen Buchclub. Ich habe es zwar im Buddy Read gelesen, aber ich glaube man könnte noch so viel mehr darüber sprechen und diskutieren. ✨ ----- "Es ist unmöglich, die Bibel zu lesen und sich Gott nicht weiß vorzustellen. Wie ich gemerkt hab, dass Gott für mich weiß war und ein Mann, hat er mich nimmer interessiert. Du bist sauer weil er deine Gebete scheints gar nicht hört. Pff! Hört denn der Bürgermeister je, was schwarze sagen?" ---- "Der Mann reißt sich alles unter den Nagel. Er ist auf einer Maisgrießpackung, in deinem Kopf und immerzu im Radio. Er will, dass du glaubst, er ist überall. Sobald du glaubst, dass er überall ist, glaubst du, er wäre Gott. Aber das ist er nicht. Wenn du beten willst, und da ist wieder der Mann am Ende, sag ihm er soll sich verpissen. Denk dir Blumen herbei, Wind, Wasser, einen großen Stein."

























































