5. Juli
"Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt." ~ Ingmar Bergman
Bewertung:4.5

"Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt." ~ Ingmar Bergman

Heute möchte euch das Buch „Mein Leben“ (orig. Laterna Magica) von Ingmar Bergman, erschienen im Jahre 1987 vorstellen. Die deutsche Übersetzung stammt von Hans-Joachim Maass. Es handelt sich um eine Autobiographie, die gleichzeitig als ein intimes Selbstporträt eines getriebenen Künstlers angesehen werden kann. Der schwedische Regisseur schildert zentrale Stationen seines Lebens – von der Kindheit über seine künstlerische Entwicklung bis hin zu persönlichen Krisen. Besonders eindrücklich beschreibt er seine strenge, religiös geprägte Erziehung und das schwierige Verhältnis zu seinem Vater, einem Pfarrer. Er gewährt Einblicke in seine frühen kreativen Impulse, seine Zeit am Theater sowie den Aufstieg zum international anerkannten Filmemacher. Dabei reflektiert er offen über seine Ängste, Neurosen, Krankheiten und gescheiterten Ehen. Die Erinnerungen sind nicht chronologisch aufgebaut, sondern folgen einem assoziativen, oft fragmentarischen Stil. Immer wieder stellt er die Frage nach Wahrheit und Erinnerung selbst infrage, was dem Text eine besondere Tiefe verleiht. Der Schreibstil des Autors ist persönlich, reflektierend und überraschend humorvoll. Trotz der oft schweren Themen – wie Einsamkeit, Schuld oder Krankheit – durchzieht das Buch ein feiner, teils selbstironischer Witz, der Bergmans erzählerisches Talent unterstreicht. Sein Ton ist klar, pointiert und wirkt durchweg authentisch, als würde er dem Leser direkt gegenübersitzen. Stilistisch arbeitet er mit Rückblenden, inneren Monologen und einem assoziativen Aufbau, der Erinnerungen nicht chronologisch, sondern thematisch oder stimmungshaft ordnet. Ernst und Leichtigkeit stehen dabei in einem spannenden Wechselspiel, das seine Persönlichkeit nuanciert abbildet. Besonders bemerkenswert ist sein respektvoller Umgang mit dem Wunsch seiner letzten Frau, nicht sonderlich erwähnt zu werden – ein Zeichen von Integrität und Rücksicht. Dieses bewusste Auslassen zeigt, dass Bergman sehr genau abwägt, was er preisgibt und was privat bleiben soll. Sein Stil vermittelt Intimität, ohne indiskret zu wirken – eine große Stärke dieser Autobiographie. Besonders gelungen ist die Selbstreflexion: Bergman beschönigt nichts, stellt sich selbst kritisch dar und hinterfragt die Zuverlässigkeit seiner Erinnerungen. Die Selbstkritik ist stellenweise jedoch so radikal, dass sie fast in Selbstzerfleischung umschlägt – das wirkte manchmal ein wenig belastend auf mich. Das Buch erhielt große literarische Anerkennung, denn auch außerhalb der Filmwelt wurde es vielfach gelobt – nicht nur als Autobiographie, sondern auch als eigenständiges literarisches Werk. Aus diesen Gründen vergebe ich diesem Buch 4,5 von 5 Sterne. ✨️

Ingmar Bergmann: Mein Leben
Ingmar Bergmann: Mein Lebenvon Ingmar BergmanVolk und Welt Verlag