19. Juli
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Bewertung:4

Gianni Jovanovic nimmt uns gemeinsam mit Oyindamola Alashe in seinem Buch "Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit" mit auf eine tief bewegende Reise durch sein Leben, geprägt von zahlreichen Höhen und Tiefen. Diese autobiografische Erzählung ist nicht nur fesselnd, sondern auch ein kraftvolles Plädoyer gegen strukturelle Diskriminierung und für Menschlichkeit und Hoffnung. Geboren als Sohn einer Roma-Familie, ist Jovanovics Lebensweg von erschütternden Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung geprägt. Mit nur 14 Jahren wurde er verheiratet, später bekannte er sich zu seiner Homosexualität und brach zeitweise mit seiner Familie. Heute, als dreifacher Großvater und seit fast 17 Jahren glücklich verheiratet, ist er eine prominente Stimme der Rom*nja und Sinti*zze-Community sowie ein engagierter Aktivist innerhalb der queeren und PoC-Communities. Jovanovics Erzählung packt von der ersten Seite an. Gemeinsam mit Oyindamola Alashe gelingt es ihm, die Lesenden durch eine Vielzahl von Emotionen zu führen, stets authentisch und tiefgründig. Ein zentraler Aspekt des Buches ist die schonungslose Aufdeckung der gewaltsamen Strukturen, denen viele Rom*nja und Sinti*zze in Deutschland ausgesetzt waren und sind. Jovanovics Erfahrungen sind oft schwer zu ertragen und werfen ein erschütterndes Licht auf die Realität. Dennoch schimmert in seiner Erzählung immer wieder eine immense Liebe und Hoffnung durch. Zwischen den Zeilen entdeckt man eine tiefe Menschlichkeit und einen unbeirrbaren Glauben an das Gute, der beeindruckt und inspiriert. Ich konnte Gianni an vielen Stellen gut verstehen, da ich selbst Diskriminierung erfahren habe. Der daraus resultierende Schmerz und die Traumata halfen mir, seinen Schmerz nachzuvollziehen. Ich habe mit ihm geweint und mich geärgert. Das Buch löste eine Vielzahl von Emotionen in mir aus. Ich bin Gianni sehr dankbar und schließe mit den Worten von Gianni: "Ich küsse dein Herz!"

Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit
Ich, ein Kind der kleinen Mehrheitvon Gianni JovanovicBlumenbar
16. März
Bewertung:5

“Denke ich also an meine Kindheit zurück, dann denke ich an Röcke, Armut und Gewalt. Und ich denke an die ewige Sorge, heute könnte der letzte Tag sein.” (S.28) Gianni Jovanovics Eltern sind aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gezogen. Er ist in Rüsselsheim 1978 geboren und lernt schon sehr früh rassistische Erfahrungen zu erleben, die anfangs für ihn und seine Familie als Begriff ‚strukturellen Rassismus‘ nicht zu benennen wusste. Gerade mal mit 14 Jahren verheiraten seine Eltern ihn mit einer 13-Jährigen. Sehr schnell wurde er Vater und als gerade mal das erste Kind fast 1 Jahr wird, erfährt er, dass seine Frau Zwillinge bekommen wird. Zu dieser Zeit ist er 17 Jahre alt. Sein Begehren zu Männern merkte Gianni eigentlich schon mit 14, outete sich erst mit 20 als schwul. Mittlerweile lebt er zusammen mit seinem Partner seit 18 Jahren. Stolzer Großvater ist er zudem auch noch. Gianni gilt als die Stimme für Rom_nja und Sinti_zze.   Eine mitreißende Erzählung, die Gianni Jovanovic hier mit der Journalistin Oyindamola Alashe verfasst hat. Wie wenig wir als Gesellschaft über das ehemalige Jugoslawien als auch über dir Rom_nja und Sinti_zze wissen. Viele Jahre wurde und wird immernoch diese marginalisierte Gruppe stark unsichtbar gemacht. Nicht nur, dass wir jahrelang das Z-Wort als eine normale Bezeichnungen für eine bestimmte Gruppe benutzt haben, sondern, dass die historische Geschichte komplett ausradiert wirkt. So wichtig, dass Gianni versucht hat - auch wenn er am anfang des Buches meint, keine Stimme für alle sein zu können - die wichtigsten Details aufzugreifen. Mit seiner eigenen Erfahrung beschreibt Gianni welche Traditionen die Rom_nja und Sinti_zze haben.   Bemerkenswert und herzzerreißend ist dieser Abschnitt als Jovanovic versucht die Situation mit seinen Kindern, vor allem mit seinem Sohn zu schildern, der sich zunächst für seinen Vater fremdschämt, dass er gerne sich als Drag verkleidet und offen schwul ist. Dies hat dem Sohn sein männliches Bild eines Mannes geschadet und die Angst in der Schule gehänselt zu werden, stieg. Auch früh wurde der Sohn von den Großeltern zwangsverheiratet, als Gianni seine Kinder aus Selbstschutz verlassen musste.   Ich kann euch nur dieses Buch von ganzem Herzen empfehlen! Eine ganze Podcastfolge könnte ich machen, damit ich euch zeigen könnte, wie wichtig es ist diese Erfahrung zu teilen und mehr Lücken zu füllen. “Ständige Mikroaggressionen - böse Blicke, gehässige Worte oder unangenehme Fragen -, aber auch körperliche und seelische Grausamkeit durch Mitmenschen und der Druck on Behörden haben uns krank gemacht. Nur waren wir uns dessen meist nicht bewusst, denn wir waren zu sehr damit beschäftigt, im Leben zurechtzukommen.” (S.29)

Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit
Ich, ein Kind der kleinen Mehrheitvon Gianni JovanovicBlumenbar
15. Jan.
Bewertung:5

Ich kann nur empfehlen das Hörbuch zu hören! Den Lesegenuss möchte ich zwar nicht ausschließen, doch die Rührung, das Mit-Sauersein, die Frustration, die Trauer, wird erst im vollen Maße deutlich und tiefgreifend spürbar, wenn der Autor selber seine Geschichte liest. Seine Geschichte und die Geschichte so unfassbar vieler kleiner Mehrheiten. Ich war extrem bewegt von diesem Hörbuch ♥️

Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit
Ich, ein Kind der kleinen Mehrheitvon Gianni JovanovicBlumenbar
28. Okt.
Bewertung:5

Meine Meinung Ich hatte vor diesem Buch noch nichts von Gianni Jovanovic gehört. Zufällig wurde sein gerade erschienenes Buch in meine Timeline gespült und da solche (Auto)Biografien genau mein Ding sind, habe ich sie mir gleich als eBook gekauft und angefangen zu lesen. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören. In drei Tagen hatte ich alle Seiten durch und kann immer noch nicht glauben, wie aus einem Menschen, mit solch einer Vergangenheit, so ein fröhlicher, humorvoller, Energie sprühender, reflektierter und lernwilliger Mensch werden konnte! Gianni Jovanovic wendet sein Innerstes nach außen und macht sich wiederholt verletzbar. Das Buch wird von unterschiedlichen Menschen gelesen werden und nicht alle werden Gutes darüber berichten. Schon allein die Form der gendergerechten Schreibweise wird vielen aufstoßen und sie werden sich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren können. Was natürlich sehr schade ist, da Gianni sehr viel zu erzählen und zu berichten hat. Die Leserschaft lernt viel über Bräuche und Traditionen der Rom*nja und Sinti*zze, die sehr stark patriarchalische Strukturen aufweisen. Der Autor klärt uns auf wie er als Rom in Deutschland aufgewachsen ist und welche Erwartungen an ihn gestellt wurden, die er erfüllen musste und zum Teil wollte, um Teil der Familie zu sein (bleiben). Dabei war es kein Vorteil, dass er recht früh merkte, dass er schwul ist und auf Männer steht. Gefangen in einer nicht gewollten Ehe mit zwei Kindern, selbst gefühlt noch ein halbes Kind, mit der Verantwortung für seine kleine wie auch erweiterete Familie erlebte er gewalttätige und erniedrigende Zeiten, innerhalb wie außerhalb der Familie. Gianni Jovanovic zeigt auf, wie er aufgrund seiner Herkunft rassistisch beschimpft und strukturell von Behörden diskriminiert wurde. Mit Förderunterricht startete sein Schulleben, umso erstaunlicher ist es, dass er aus eigener Kraft heute einen Bachelorabschluss vorweisen kann und als erfolgreicher Unternehmer und politischer Aktivist tätig ist. Hier ist ein Mensch, der zeigt, wie er alle Steine, Felsen, ja – sogar Berge überwinden konnte und sich für Therapie und Vergangenheitsbewältigung öffnete, sein Leben und sich reflektierte und eigene Wege gehen konnte. Einfach bewundernswert! Sein starkes Selbstbewusstein war ihm dabei sicherlich ein guter Wegbegleiter. Fazit Ich ziehe den Hut vor so viel Mut und Lebenskraft sein Schicksal anzunehmen, es dann zu wenden und dies auch noch zum Guten! Der Autor kämpfte einst für sich und nun auch für andere. Wer mehr über Gianni Jovanovic, seine Familie, seine schreckliche Kindheit in Hessen und Bayern wissen möchte, der sollte unbedingt dieses Buch lesen! Es ist eine echte Bereicherung!

Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit
Ich, ein Kind der kleinen Mehrheitvon Gianni JovanovicBlumenbar