
ZÄHE HUNDE Falun Ellie Koos ET: 15.04.26 Ada lebt bei einem fremden Mann in Galizien. Unterhalten können sie sich aufgrund der Sprachbarriere kaum. Schweigend und in stillem Einverständnis arbeiten sie Hand in Hand nebeneinander her. Für Ada ist dies ein Rückzugsort – von ihrem Studium, von ihrer Freundschaft zu Frédérique, die ihr zu eng geworden ist. Hier findet sie die Muße und die Zeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern und darüber nachzudenken, was in ihrer Kindheit alles falsch lief. Vor allem bei den Erziehungsmethoden ihres Vaters. In Rückblicken nimmt Ada uns mit: Nach dem frühen Tod ihrer Mutter ziehen Ada und ihr Bruder Boos zu ihrem Vater, der auf einem Caravan-Park in einem winzigen Wohnmobil lebt, das diesen Namen aufgrund seiner Größe kaum verdient. Der Vater arbeitet von morgens bis abends, an Wochenenden und in jeder freien Minute. Menschen, die nicht so hart arbeiten wie er, begegnet er mit Verachtung. Stolz bezeichnet er sich selbst als einen „zähen Hund“ – und genau diese Werte möchte er auch seinen Kindern vermitteln oder aufzwingen, je nachdem, wen man fragt. Seine Ex-Frau, Adas und Boos' Mutter, die ihre Tage meist im Bett verbrachte und oft nur im Schlafanzug herumlief, ist für ihn das abschreckende Beispiel. Die vermeintlich verweichlichten Werte, die er mit ihrer Erziehung einherging, will er seinen Kindern austreiben. Ada und Boos haben weder Freunde noch Familie und sind vollkommen auf ihren Vater fixiert. Sie buhlen um seine Aufmerksamkeit und Anerkennung, während er seine Erziehungsmethoden mit voller Härte und patriarchalen Strukturen durchsetzt. Zwischen den Geschwistern entsteht ein Konkurrenzkampf, der beide weit über ihre Kindheit hinaus prägen wird. Wie sich diese Erziehung auf ihr weiteres Leben auswirkt, müsst ihr natürlich selbst lesen. Ufff, keine leichte Kost. Ein Roman, der unter die Haut geht und mich mitten ins Herz getroffen hat. Sprachlich ist das Buch unglaublich stark – fast zu schön für den derben und oft schonungslosen Inhalt. Düster und bedrückend erzählt, habe ich es trotzdem regelrecht verschlungen. Fazit: Ein tiefgründiges Buch über die Prägungen unserer Kindheit und darüber, wie sehr sie unser weiteres Leben bestimmen können. Eine Geschichte, die noch lange nachwirken wird. 5/5







