15. Nov.
Ein neuer Blick auf den Umgang mit Kunst während des Nationalsozialismus und die Verknüpfung durch die Ideologie mit der Euthanasie.
Bewertung:5

Ein neuer Blick auf den Umgang mit Kunst während des Nationalsozialismus und die Verknüpfung durch die Ideologie mit der Euthanasie.

Wahn und Wunder“ zeigt die Schnittstelle von Hitlers Kunstauffassung mit dem industriellen Massenmord an psychisch Erkrankten und Behinderten auf. Allgemein beschäftigt sich das Buch mit Kunst während der Zeit des Nationalsozialismus. Spezifischer mit der Kunst von psychisch Erkrankten, die in Heil- und Pflegeanstalten lebten und dann Opfer der Euthanasie wurden. Immer wieder fokussiert sich der Autor auf den Künstler Franz Karl Bühler, aber auch auf viele weitere Künstler*innen, deren Werke Teil der Sammlung des Kunsthistorikers und Arztes Hans Prinzhorn sind und nun auch in das Buch Eingang fanden. Die Werke werden in literarischer und teilweise bildlicher Form den Leser*innen zugänglich, die Künstler*innen, ihr Leben und ihr Tod sichtbar gemacht. Weiterer Schwerpunkte stellen das Kunstverständnis Hitlers und seine Kulturpolitik, die Ausstellung „Entartete Kunst“, Kindereuthanasie und die T4 Aktion dar. Ergänzt werden die Darstellungen durch zahlreiche Zitate und wie bereits angesprochen Bilder verschiedener Kunstwerke aus der Prinzhorn-Sammlung. Anmerkungen am Ende des Buches geben noch weitere Hintergrundinformationen und verweisen auf Quellen und Literatur. Das Buch besitzt einen erzählerischen Schreibstil, bietet eine Fülle an interessanten Informationen und stellt Zusammenhänge her, die mir bis jetzt so nicht klar waren. Durch den Fokus auf psychiatrische Kunst bietet das Buch einen neuen Blick auf den Umgang mit Kunst während des Nationalsozialismus und macht eindrücklich klar, wie eng die Vorstellungen von Kunst durch die Ideologie mit der Euthanasie verbunden waren.

Wahn und Wunder
Wahn und Wundervon Charlie EnglishAufbau