29. Mai
Bewertung:4

"Seit den Bertinger Abenden führe ich ein zweites Leben in der Literatur. In der Kindheit bot es Nahrung für Träume, in der Jugend Trost und Abenteuer, danach Erholung und Orientierung." Irgendwie ging es mir in meinem Leben sehr ähnlich. Genau wie Nora, die Protagonistin, lese ich schon seit meiner Kindheit sehr gerne. Waren es bei mir erst die 5 Freunde von Enid Blyton und dann Thriller, bevor es die Gegenwartsliteratur wurde, waren es bei Nora vor allem die Autoren der Antike. Immer wenn es in ihrem Leben besondere Ereignisse gab, oder besondere Ruhephasen, zog es sie in die antike Welt. "Meine Macke bestand darin, dass ich mehr n Büchern lebte als in der Wirklichkeit." Nora nennt sie auch ihre "antiken Berater". Sie wird Lehrerin und schafft es mit ihrer Leidenschaft die Schüler für gehobene Literatur zu begeistern. Sie heiratet einen merkwürdigen Archivar und stirbt fast bei der Geburt ihres Sohnes. Das sie sich scheiden lässt und eine Niereninsuffizienz entwickelt erfahren wir alles schon im Klappentext. Was diesen Roman so besonders macht und mich hat abtauchen lassen, ist seine Klugheit und die oft intellektuelle Art des Schreibens und Berichtens. Es ist kein besonderes Leben das Nora führt, es besticht durch die Reflektion und die Gespräche die sie mit ihren Mitmenschen führt. Auch diese sind wie Bücher für sie. " Theseus ( ihr Mann) war sozusagen die Pflichtlektüre meines Lebens gewesen. Ich hatte mir eingebildet, dieses Buch lesen zu müssen, und es nie verstanden." Mir hat sie auch durch zahlreiche Textauszüge und Interpretationen Dichter und Denker wie Epikur, Homer oder Kant näher gebracht. Das war für mich zwar spannend, aber lesen möchte ich das nicht wirklich in Gänze. Es ist kein aufregender Roman, er ist tiefgründig und oft nachdenklich, das hat mir richtig gut gefallen. Man muss keine herausragende Persönlichkeit zu sein um im Buch ein starker und lesenswerter Charakter zu sein. Klare Leseempfehlung!

Orion
Orionvon Petra MorsbachPenguin