Eine Bruchlandung in Buchform 🪂🎈🔎
Die Geschichte klang zunächst vielversprechend: Ostberlin, Frühjahr 1989. Ein junges Paar, das in einem selbstgebauten Ballon über die Mauer in den Westen fliehen will. Ein riskanter Plan, der tragisch endet: Der Ingenieur Winfried Freudenberg stürzt in den Tod, seine Frau Sabine verschwindet spurlos. 25 Jahre später versuchen Autorin Caroline Labusch und ihr Partner, diesen Berliner Mauertoten zu rekonstruieren – eine Fluchtgeschichte voller Mut und Verzweiflung, eingebettet in ein investigatives Erzählszenario. Klingt spannend? Tja, denkste. Dieses Buch ist der perfekte Beweis dafür, dass eine interessante Grundidee nicht ausreicht, um ein gutes Buch zu schreiben. Was hier als Mischung aus Geschichte und Journalismus verkauft wird, entpuppt sich als stilistischer Höllentrip. Der Schreibstil? Ein grauenhaftes Potpourri aus Berliner Schnauze, abgehackten Gedankensprüngen und hölzernen Dialogen. Kurze Sätze mögen bei Hemingway funktionieren, aber hier wirken sie wie unausgegorene Stichpunkte, die jemand zu einem Buch zusammengeklebt hat – und das auch noch schlecht. Der Lesefluss? Nicht vorhanden. Stattdessen ein ständiges Stolpern über holprige Formulierungen und unzeitgemäße Wortwahl, die der Dramatik der eigentlichen Geschichte völlig im Weg steht. Aber das ist noch nicht alles. Statt sich auf die faszinierende Fluchtgeschichte der Familie Freudenberg zu konzentrieren, verliert sich die Autorin in ihren eigenen Befindlichkeiten. Was sie während der Recherche gegessen, gedacht oder gefühlt hat, scheint wichtiger als die eigentliche Tragödie. Die Interviews mit Beteiligten wirken blass und empathielos, während Labuschs eigene Reflexionen breiten Raum einnehmen. Ein Beispiel dafür, wie man eine großartige Geschichte mit einer egozentrischen Herangehensweise komplett ruinieren kann. Die Sprünge zwischen dem „Ermittlerszenario“ in der Gegenwart und der Fluchtsituation von 1989 machen das Ganze nicht besser. Verwirrend und chaotisch, ohne klare Struktur. Wenn man sich schon durch den holprigen Stil kämpft, sollte man wenigstens eine stringente Erzählweise erwarten können. Aber nein, stattdessen wird der Leser in eine narrative Nebelbank geschickt, aus der man genauso orientierungslos herauskommt wie die Autorin anscheinend selbst. Fazit: Eine verpasste Chance. Die Geschichte der Familie Freudenberg hätte einen kraftvollen, bewegenden Bericht verdient, der das Thema Republikflucht lebendig und zugänglich macht. Stattdessen bekommen wir ein selbstverliebtes Kuddelmuddel, das weder der Tragödie gerecht wird noch als spannendes Sachbuch überzeugt. Mein Respekt gilt dem Mut der Freudenbergs, aber dieses Buch war schlichtweg nichts für mich. Interessante Grundstory, katastrophale Umsetzung. Hab das Buch nach ca. 50 Seiten abgebrochen. Unlesbar. Keine Empfehlung. ⭐️



