8. Mai
Bewertung:3.5

Mit Die Wahrheit über Ann hat Julia Deck einen Roman geschrieben, den zu lesen ich sehr geschätzt habe, obwohl der Stoff nicht einfach ist. Ein schlimmer Schlaganfall streckt Julias Mutter nieder und sie muss sich kümmern, obwohl es nicht gut aussieht. Im Krankenhaus scheinen sie die Patientin schon aufgegeben zu haben. Die Szenen rund um die Betreuung mit gleichgültigen ÄrztInnen und überbeschäftigten Pflegepersonal kommen mir sehr glaubwürdig vor. Den sprechenden Namen Dr.Egal hat die Autorin sicher nicht ohne Grund gewählt. Es gibt aber in dem Buch noch eine zweite, bemerkenswerte Ebene. Abwechselnd mit den gegenwärtigen Passagen wird das Leben der Mutter von Kindheit bis Gegenwart geschildert. Da wird schließlich auch die Beziehung zwischen Julia und ihrer Mutter ein wichtiges Thema

Die Wahrheit über Ann
Die Wahrheit über Annvon Julia DeckNagel & Kimche
5. März
Bewertung:3.5

Durch das farbenfrohe Cover bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Bisher kannte ich Julia Deck noch nicht und entsprechen neugierig war ich auf diesen Roman und ihren Schreibstil. Julia's 84jährige Mutter ist auf Grund eines Schlaganfalls halbseitig gelähmt und Julia bemüht sich um die bestmögliche Pflege. Dabei erzählt sie viel über das französische Gesundheitswesen, mit Coroa Beschränkungen. Gleichzeitig erfahren wir viel über Ann, gebürtige Engländer, in Frankreich oder zeitweise auch in Italien lebend. Julia als Tochter, plagen Schuldgefühle. Hätte sie etwas anders machen können/müssen? Und wie kann es jetzt weitergehen. Viele Probleme. Ich tat mich etwas schwer, in den Schreibstil der Autorin hineinzufinden. Es erforderte Aufmerksamkeit, um die Gedanken und Handlungen der Ich-Erzählerin zu verfolgen. Die Kapitel wechseln zwischen der aktuellen Zeit mit der Erzählung über Anns Krankheitsfortschritt und dem chronologisch erzählten Jahren in Anns Leben. Dieser Part wird eher wie eine Dokumentation erzählt. Letzlich ist Sprache das, was Ann und Julia verbindet und gleichzeitig kann man Sprache nicht trauen, wenn nie klar ist, wie sie gemeint ist. Es ist ein klug zusammengestellter Bericht mit starken Worten über die Begleitung eines geliebten Menschen auf der letzten Wegstrecke, über die Schwierigkeit dies zu akzeptieren und über das Bedürfnis, diesen Menschen restlos zu kennen. Die Art, sich auszudrücken, Gefühle auszusprechen gelang der Autorin gut und auch Zusammenhänge zu erläutern. Man spürt die Kompliziertheit der Mutter-Tochter Beziehung und gleichzeitig die gegenseitige Liebe, aber auch den Kraftakt des sich verstehens. Das gibt dem Text Schwermut und Realität. Leider kamen mir Ann und Julia als Charaktere nicht nahe. Auch der Lebenslauf konnte mich nicht fesseln. Interessant waren für mich die Beschreibungen im Gesundheits- und Sozialwesen. Eigentlich lese ich sehr gern über Themen mit Geheimnissen aus der Vergangenheit trotzdem sprang bei mir diesmal der Funke nicht über. Vielleicht sollte ich es nochmal mit einem anderen Buch der Autorin probieren. Denn, auch wenn dies Buch mich nicht vollkommen erreichte, liegt seine Stärke im Gebrauch der Sprache, deren Wandelbarkeit, Gebrauch und Tiefe.

Die Wahrheit über Ann
Die Wahrheit über Annvon Julia DeckNagel & Kimche