3. Aug.
Bewertung:3

Ich hatte mit diesem Maigret mehr Mühe als mit anderen zuvor. Wirkt etwas planlos, fahrig. Obwohl, vielleicht ist das auch das Geniale an diesem Text. Auch Simenon selber verfällt der Porquerollitis, dem Inselfieber, das alles relativiert, aus dem mächtigen Kommissar ein trotziges Kind macht. Zu Beginn haben wir eine klare Struktur: Maigret muss mit seinem englischen Konterpart von Scotland Yard, Mr. Pyke, einen Fall auf einer Mittelmeerinsel lösen. Ständiger, subtiler Konkurrenzkampf zwischen den beiden mit zum Teil sehr witzigen Episoden. Dann tauchen ständig neue Figuren auf, für die sich Simenon aber nicht gleichmässig interessiert, manche führt er in einem Kapitel, um sie dann im nächsten wieder links liegenzulassen. Auch er driftet – wie die wohlstandsverwahrlosten Inselflüchtlinge – ab, ist zuweilen fahrig, am Ende auch aggressiv (er schlägt den einen dringend Tatverdächtigen ins Gesicht). Ich war froh, als er auf der letzten Seite wieder mit dem Kahn ans Festland übersetzt – der Maigret der Grossstadt ist mir lieber.

Mein Freund Maigret
Mein Freund Maigretvon Georges SimenonKampa Verlag