27. Juni
Bewertung:5

Das war wieder ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Ich habe ja eine heimliche Leidenschaft für japanische Krimis und probiere dort gerne „neue“ Autorinnen aus – also für mich neue. Masako Togawa war eine japanische Schriftstellerin, Sängerin und Nachtclubbesitzerin. Gerade Letzteres finde ich wichtig, weil ich glaube, dass dieses Beobachten von Menschen, das Erkennen derer Geschichten und Geheimnisse, ein wichtiger Teil des Krimis ist.   „Der Hauptschlüssel“ ist ein kleines, dünnes Büchlein, jedoch gespickt mit vielen Details. Wichtig sind auch die Zeitsprünge und Perspektivwechsel, dazu später jedoch mehr.   Der Krimi beginnt damit, dass ein totes Kind vergraben und parallel ein vierjähriges Kind namens George vermisst wird. Und ein Mann auf einem Roller wird totgefahren. Zeitsprung. Ein paar Jahre später (es müsste 1958 sein) soll ein Wohnheim für alleinstehende Frauen umgesetzt werden und es wird auf den fehlenden Hauptschlüssel hingewiesen, der verschwunden ist. Wieder Zeitsprung. Und nun beobachten wir die verschiedenen Bewohnerinnen dabei, wie sie vor dem Versetzen des Wohnheims ihre Intrigen spinnen, Geheimnisse versuchen zu bewahren und ihre Nachbarinnen ausspionieren.   Und ich muss sagen, wie die Autorin die Menschen beschreibt mit ihren Marotten, ihren Gefühlen und Sorgen, aber auch kleinen diebischen Freuden – das war für mich pure Faszination beim Lesen. Denn ich hatte natürlich immer im Hinterkopf, dass irgendeine der Bewohnerin ja wohl etwas mit dem toten Kind zu tun haben müsse. Und natürlich der Hauptschlüssel, Verführung und Bedrohung zugleich, ermöglicht er einem doch grenzenlosen Zutritt zu den geheimen Reichen der Bewohnerinnen.   Wer es einmal anders mag, „Persönlichkeitsstudien“ spannend findet und nicht unbedingt kontinuierlich Spannung und viel Blut benötigt – dem kann ich dieses Büchlein sehr empfehlen (unbezahlte Werbung).

Der Hauptschlüssel
Der Hauptschlüsselvon Masako TogawaUnionsverlag