1. Dez.
Bewertung:5

Falsches Spiel von und mit Eve Laing „Schon wieder ein Buch über Kunst? Hat er nicht vor kurzem erst eins gelesen?“ Nun, ich glaube, dass die Lektüre von „Blütenschatten“ von Annalena McAfee und „Tasso im Irrenhaus“ von Ingo Schulze innerhalb kürzester Zeit purer Zufall sind. Aber in der Tat habe ich dieses Jahr schon das ein oder andere Buch über „Kunst“ (im weitesten Sinne) gelesen. Nun gut… In „Blütenschatten“ folgt die geneigte Leserschaft der Erzählerin Eve Laing durch das vorweihnachtliche, nächtliche London. Wer jetzt an einen schnöden „Sightseeingtrip“ denkt – weit gefehlt :-). Denn während Eve läuft und fährt, geht sie in Gedanken durch ihr Leben. Nicht chronologisch, sondern in der Zeit hin- und herspringend. Dabei ist es das, woran man sich als Leser erst einmal gewöhnen muss und was die ersten 50 Seiten zunächst etwas „holprig“ und schwierig erscheinen lässt. Dann aber lässt die Geschichte um Eve, dessen Name bestimmt nicht zufällig gewählt wurde, einen nicht mehr los und man folgt nur zu gerne Eve´s Ausführungen über ihre Vergangenheit als Muse, Ehefrau, Mutter und Künstlerin. Denn hinter ihren zynisch-lakonischen Ausführungen steckt einiges an Diskussionspotenzial, was das Buch geradezu für Leserunden und –kreise prädestiniert. Die geneigte Leserschaft merkt schnell, dass die Erzählerin nicht so unschuldig ist, wie sie zunächst erscheint. Das wird vor allem im „Grande Finale“ deutlich, dem ein Schluss folgt, der den Leser sprachlos zurücklässt, da man zu keinem Zeitpunkt der Lektüre damit rechnet. Die Frau von Ian McEwan hat mit „Blütenschatten“ einen großartig komponierten (Künstler-)Roman geschrieben, der sprachlich zu den herausragenden Erscheinungen in diesem Jahr gehört und demnach nicht unter der Höchstnote bewertet werden kann *g*. 5* und glasklare Leseempfehlung! ©kingofmusic

Blütenschatten
Blütenschattenvon Annalena McAfeeDiogenes
14. Nov.
Bewertung:3

Her writing is beautiful: direct and brutally honest. But the whole story was just so.. Lame. Has been told multiple times and was really nothing new. It was almost impossible to feel sympathy for Eve (or anyone in this book) and just didn't care. Holding a grudge for over four decades - I call that devotion, but not in a good way. But I enjoyed the facts about female painters and made some notes.

Blütenschatten
Blütenschattenvon Annalena McAfeeDiogenes
23. Sept.
Bewertung:5

Wenn man nur wenige Romane in diesem Jahr lesen möchte, dann sollte Blütenschatten einer davon sein. Dieses Buch ist schonungslos, böse, rasant, giftig, amüsant, ehrlich und vor allem an keiner Stelle langweilig. Der Leser begleitet die Protagonistin Eve auf ihrer nächtlichen Wanderung durch London. Bei diesem Spaziergang setzt sich Eve mit ihrer Vergangenheit - der längst vergangengen, wie der gerade erst vorbeigezogenen - auseinander und lässt uns so an ihrer Gedankenwelt teilhaben. Ein kluger Schachzug von McAfee ist es dabei, Eve nicht als Ich-Erzählerin zu konzipieren, sondern als feste Fokalisierungsinstanz. Dies verhindert zu viel Empathie mit Eve und erlaubt eine kritische Distanz. Eve präsentiert sich als Protagonistin mit Ecken und Kanten, sie ist sehr klar und hart in ihren Ansichten und nichts liegt ihr ferner als political correctness. Gerade dieser Zug der Unangepasstheit liest sich in der heutigen Zeit überaus erfrischend und überraschend und ist im Rahmen der Figurenkonzeption schon fast mutig. Eve ist Mutter und Ehefrau (beides eher halbherzig und ungern), denn hauptsächlich ist sie eine alternde Künstlerin, die durch eine junge männliche Muse zu neuer künstlerischer Höchstform aufläuft und dabei alles, was ihr Leben sonst noch so bestimmt hat, aus den Augen verliert. Dieser Kontrollverlust bei gleichzeitig ungebremster Kreativität, gepaart mit einem spannenden Plot, macht den Roman zu einem beglückenden Leseerlebnis. Beglückend nicht etwa, weil alles, was passiert so schön und seelenvoll wäre, sondern gerade, weil es nicht so ist. Stattdessen bahnt sich hier eine Tragödie klassischen Ausmaßes an, die nicht nur absolut fesselnd auf die Seiten gebracht wird, sondern auch noch literarisch richtig viel zu bieten hat. Der Roman schreit geradezu danach, ein weiteres Mal gelesen und dann analysiert zu werden. Zahlreiche Verbindungsstücke, eingeschobene Kommentare und viel Symbolik verstecken sich zwischen den Zeilen, allerdings ohne den Text zu beschweren. Man kann diese Dinge wahrnehmen und dann wird die Lektüre teuflisch gut oder auch nicht - dann ist es einfach richtig gut. Vor McAfee muss man außerdem den Hut ziehen, wie unglaublich echt und detailliert sie Eves Welt entwirft, insbesondere Eves Kunstverständnis, die von ihr gefertigten Kunstwerke sind herausragend imaginiert. Ebenso überzeugend ist unter anderem auch die Ausstellung ihrer Rivalin, der Performance-Künstlerin Wanda, geraten - es ist kaum zu glauben, dass es die beschriebenen Bilder und Kunstinstallationen so nicht gibt. Kurzum: ich liebe diesen Roman, denn er ist kühn, diabolisch, anspruchsvoll, hinterhältig, raffiniert und einfach keine 08/15-Kost - etwas ganz besonderes, ein Buch, das viele andere Texte in den Schatten stellt.

Blütenschatten
Blütenschattenvon Annalena McAfeeDiogenes