7. Jan.
Bewertung:4

Sauerland und der persönliche Stolz

**** Worum geht es? & Mein Eindruck **** Die Geschichte spielt primär im Sauerland, auch wenn wir zunächst durch Afrika reisen und eine große Liebe erleben. Wir atmen das Gefühl von Freiheit ein, während wir uns bereits im „Käfig“ des Protagonisten in der Nähe von Iserlohn mit der gefundenen Liebe niederlassen. Ein prachtvoller Käfig – und dennoch ein Käfig, denn zurück im Sauerland gibt es feste Strukturen und Erwartungen, die der Protagonist einnimmt. Alba wird zusehends zu einem Problem für ihn. Während er von der Last des „ewig Zweitbesten“ gebeutelt ist und nach Kontrolle sowie Befehlsgewalt strebt, ist sie die perfekte Gegenspielerin, die mit aller Macht seine Schale und die gesellschaftlichen Konventionen durchbrechen will. Das Buch spielt in den 1920er Jahren. Wir erleben ein konservatives Sauerland und Persönlichkeiten, die von Stolz und ihrer eigenen Gefühlswelt geprägt sind. Theodor ist dabei ein Stereotyp dieser Zeit, der zunächst versuchte, dem zu entkommen, jedoch an der Realität seines Seins scheiterte. Die Beschreibungen sind eindringlich und kraftvoll. Der Schreibstil der Autorin ist ein wirklicher Genuss. Einzig die Perspektivenwechsel hätten für mich nicht sein müssen. Der Erzähler wechselt teilweise in die Perspektive von Alba und der Kindheitsfreundin Mathe. Auch die Zeit im Roman ist nicht klar zu fassen; es hätte genauso gut einige Jahre früher oder später spielen können. Am Ende fehlte es mir ein wenig an inhaltlicher Kraft und einer klaren, unterstreichbaren Botschaft. **** Empfehlung? **** Da das Drahtziehen auch heute noch ein wichtiger industrieller Zweig im Sauerland ist, finde ich diese historische Erzählung wirklich anregend und sie schafft Verständnis für die Hintergründe der Menschen in dieser Region. Wer sich für solche Themen interessiert oder einfach mal wieder in ein gescheitertes Leben eintauchen möchte, das durch das Befolgen gesellschaftlicher Normen geprägt wurde, ist hier herzlich eingeladen.

Der Drahtzieher
Der Drahtziehervon Sarah PinesDiogenes