
Norbert Maria Krölls Roman „Arcus“ ist eine kluge und bissige Satire, die mit scharfem Blick die Verstrickungen von Kunst, Reichtum und persönlicher Verantwortung durchleuchtet. Im Zentrum steht Marcus, genannt Arcus, der jüngste Spross der reichsten Familie Österreichs, der sich vom Erbe seiner Eltern abgewandt hat, nur um nach dem Tod seiner Verwandten doch zum reichsten Mann des Landes zu werden. Kröll zeichnet ihn als eine tief widersprüchliche Figur, deren Ablehnung von Wohlstand und Privilegien mit ihrer Lebensrealität unvereinbar bleibt. Arcus ist keine Figur, die nach Sympathie sucht – und das ist eine der Stärken des Romans. Als Performance-Künstler, der Geld verschenkt, während er gleichzeitig mit der Kunstwelt abrechnet, bleibt er ebenso von seinem Reichtum wie von seiner Verachtung für ebendiesen bestimmt. Seine Arroganz und Selbstgerechtigkeit lassen ihn oft unsympathisch wirken, doch genau das macht ihn zu einem faszinierenden Protagonisten. Er ist ein Spiegelbild der Ignoranz und der Privilegien der Superreichen, die Kröll in präzisen, oft satirischen Bildern entlarvt. Der Roman ist mehr als nur eine Charakterstudie. Er öffnet eine Debatte über die unüberwindbaren Gräben zwischen den Superreichen und allen anderen. Kröll zeigt, wie Reichtum nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales und kulturelles Erbe ist – etwas, das Arcus nicht einfach abschütteln kann, selbst wenn er es versucht. Die Szenen, in denen Arcus sich über die Gärtnerin Maria oder andere Angestellte hinwegsetzt, illustrieren auf pointierte Weise die Herablassung, die tief in den Gewohnheiten der privilegierten Klasse verwurzelt ist. Selbst seine „guten Taten“ sind letztlich Ausdruck einer Haltung, die mit Macht und Überheblichkeit einhergeht. Diese feine Ironie zieht sich durch den gesamten Roman und sorgt für zahlreiche Momente, in denen man sich ertappt fühlt, schmunzelt oder einem unbehaglich wird. Die Kunstwelt, die Arcus gleichermaßen verachtet und manipuliert, wird in „Arcus“ ebenfalls kritisch beleuchtet. Kröll beschreibt sie als einen Raum, in dem Publicity mehr zählt als Originalität und in dem Zugang und Erfolg stark vom finanziellen Hintergrund abhängen. Arcus’ provokante Kunstaktionen, die vor allem auf seinem Reichtum basieren, sind ein bitteres Statement über die Rolle des Geldes in der Kunst. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Krölls Schreibstil ist präzise, scharf und unverschnörkelt. Seine Beschreibungen sind oft humorvoll, manchmal bissig und stets auf den Punkt. Er scheut sich nicht davor, Arcus als unsympathisch und manchmal fast grotesk darzustellen und doch bleibt der Protagonist in seiner Zerrissenheit glaubwürdig. Die Dialoge sind pointiert, und der Wechsel zwischen satirischen und ernsteren Passagen sorgt für ein dynamisches Leseerlebnis. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ „Arcus“ ist ein Roman, der gleichermaßen unterhält und nachdenklich macht. Norbert Maria Kröll gelingt es, eine facettenreiche Satire zu schaffen, die durch ihren unsympathischen Protagonisten und ihre scharfe Gesellschaftskritik besticht, die Abgründe von Reichtum sowie die Oberflächlichkeit der Kunstwelt mit Präzision und Humor aufdeckt.
