Wohltuend moderne Erzählung von 1889
Fenitschka ist eine spannende Erzählung über eine junge Frau, die für ihre Zeit sehr emanzipiert lebt und ist. Interessant auch die Versuche der männlichen Erzählstimme (der Roman ist aus der Perspektive eines jungen Mannes, der soeben in Psychologie promoviert hat, geschrieben), Fenitschka und ihr Handeln zu interpretieren und verstehen. „Warum nur? Warum hatte er in beiden Fällen ihr Wesen so typisch genommen, so grob fixiert?“, fragte er sich. Es war ganz merkwürdig, wie schwer es fiel, die Frauen in ihrer rein menschlichen Mannigfaltigkeit aufzufassen und nicht immer nur von der Geschlechtsnatur aus, nicht immer nur halb schematisch. Sei es, dass man sie idealisierte oder satanisierte, immer vereinfachte man sie durch eine einzelne Rückbeziehung auf den Mann. (S. 62)
