14. Nov.
Rebellinnen am Mikrofon — Laut, frech, unvergesslich
Bewertung:5

Rebellinnen am Mikrofon — Laut, frech, unvergesslich

Was für ein Trip durch die Lautsprecher meiner Jugend — und der meiner Eltern. Rebel Queens ist kein trockenes Lexikon, sondern ein Schwall aus Anekdoten, Wut, Glamour und Herzkram, der genau dort zündet, wo Rockmusik ihren Sinn verliert, wenn man sie nur in Fakten pressen will. Kersty und Sandra Grether packen mehr als vierzig Porträts in ein Buch, das zugleich Fanbrief, Streitschrift und Biografiesammlung ist. Hier trifft man Grace Slick, die mit spöttischem Blick Türen eintritt, und Billie Eilish, die ganz andere Fenster aufreißt — und zwischen den Zeilen liest man immer wieder den gleichen Kampf: um Sichtbarkeit, um Deutungshoheit, um das Recht, laut zu sein. Was mir gefällt: Die Autorinnen haben ein Händchen für Bildsprache und kleine Schlenker, die aus Fakten lebendige Geschichten machen. Kein dröges Aufzählen von Karrierepfaden, sondern Momentaufnahmen — ein Konzert, ein Skandal, ein zerbrochenes Mikrofon — die am Ende ein großes Ganzes ergeben. Playlist und Interviews sind das Sahnehäubchen, weil sie den Leser direkt an den Soundtrack koppeln. Kritisch denkt das Buch aber auch: Es hinterfragt, welche Narrative wir heldinnenhaft romantisieren und welche Figuren einfach zu früh abgelegt wurden. Nur manchmal wünschte ich mir an manchen Stellen mehr Tiefgang statt Speed-Lektüre — ein paar Porträts hätten eine längere Story vertragen. Fazit: Wer Rockmusik nicht nur hören, sondern verstehen will — und wer Bock auf eine Stimme hat, die frech und leidenschaftlich ist — liegt mit Rebel Queens richtig. Kein Heavy-Metal-Manifest, aber ein warmes, kluges Buch, das nachdrücklich beweist: Rock hat immer eine Königin gebraucht.

Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik
Rebel Queens. Frauen in der Rockmusikvon Kersty GretherReclam, Philipp
23. Okt.
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Bewertung:5

Was soll ich euch zu "Rebel Queens" von Kersty und Sandra Grether, verlegt von @reclamverlag sagen? Es ist ein unglaublich gutes Buch und definitiv mein (Sachbuch)-Jahreshighlight. Wenn ihr euch nur einen Hauch für Musik interessiert und auch einer feministischen Perspektive nicht abgeneigt seid, kauft euch dieses Buch. Für mich, einem Hardcore-Musiknerd (und ich sage es voller Stolz nach dieser Lektüre) war es ein einziges Fest. Die Autorinnen (die übrigens nicht nur toll schreiben, sondern auch selbst ganz fabelhaft Musik machen @the_doctorella ) sprechen über die Rebel Queens der Musikgeschichte von den 50er-Jahren bis heute und geben dabei anekdotisch Einblicke in das Werk, das Leben oder ihre ganz eigene feministische Sicht auf die Künstlerinnen. Auch an eigenen Begegnungen mit den Rebel Queens lassen uns die Autorinnen teilhaben und geben dem ganzen so einen noch persönlicheren Touch. Ich habe zum Teil völlig neue Sichtweisen auf bekannte Musikerinnen bekommen (wer kommt schon auf den absolut genialen und ikonischen Vergleich von Karen Carpenter und Yoko Ono?) und auch die ein oder andere neue für mich entdeckt. Für die unter euch, die keine kompletten Musiknerds wie ich sind, könnte das Buch ein toller Einstieg sein, sich mit der ein oder anderen Künstlerin mal etwas näher zu beschäftigen. Und natürlich wird das Buch von einer umfassenden Playlist begleitet, mit der ihr auch einen passenden Hörendruck bekommt. (Ich brauchte sie nicht, aber ihr wisst ja, dass mein Hirn ständig Musik dudelt). Alles in allem fühle ich mich nach dem Lesen etwas wütend (das machen feministische Perspektiven oft), aber auch unglaublich empowert. Und wenn ich auch nur eine gerade Note herausbekommen würde, würde ich direkt mit euch allen eine Band gründen.

Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik
Rebel Queens. Frauen in der Rockmusikvon Kersty GretherReclam, Philipp