26. Juli
Bewertung:5

Dieses Drama war richtig gut! Es fühlte sich an, als sei es genau auf der Grenze zwischen Renaissance und Barock, fast wie eine Entwicklung von dem Einen in das Nächste. Von der gleich, aber entgegengesetzten Naturordnung und künstlicher Menschenordnung, scheint das tierisch-natürliche in Sigismund ihn erst zu einem triebgeleiteten Tyrannen zu machen, doch er überwindet dies und wird „menschlich". Das Schicksal wird zu Beginn dargestellt als etwas, das wie in der Griechischen Tragödie nicht zu besiegen ist, genau weil die Figuren es versuchen. Aber mit der barocken Einsicht, dass das Leben „nur ein Traum" ist, dass das Reale nicht im Diesseits zu finden ist, können die Charaktere, die zur Tyrannei vorbestimmt sind, sich zähmen und über das Schicksal siegen. Besonders interessant für eine weitere, tiefergehende Analyse finde ich die Beziehung zwischen dem König und Sigismund (von Misshandlung des Elternteils erst zu einem wütenden „Tier" zu werden, doch dann den Kreislauf zu überwinden), und eine Lektüre von Rosauras Charakter nach den Gender Studies (da sie eine gewisse Dreiteilung in Geschlechtspräsentation durchläuft, erst tritt sie nur in Männerkleidung auf, dann in Frauenkleidung, und am Ende mischt sie Frauen- und Männerkleidung).

Das Leben ist ein Traum
Das Leben ist ein Traumvon Pedro Calderón de la BarcaReclam, Philipp