
Solala und naja
Das Bildnis des Dorian Gray ist zweifellos ein literarischer Klassiker und steckt voller interessanter und auch philosophischer Gedanken über Moral und Vergänglichkeit. Leider konnte mich der Roman trotzdem nur teilweise überzeugen. Mein größtes Problem war nicht die Handlung, sondern Oscar Wildes ausufernde Sprache. Mit gerade einmal rund 300 Seiten hätte der Roman für meinen Geschmack problemlos auf die Hälfte gekürzt werden können. Immer wieder verliert sich Wilde in endlosen philosophischen Monologen und detaillierten Beschreibungen der englischen Oberschicht und deren absoluten Nichtigkeiten. Das wirkte auf mich häufig anstrengend und bremste den Lesefluss erheblich. Auch die Spannung leidet darunter. Es gab durchaus Passagen, die mein Interesse geweckt haben und in denen das zentrale Motiv des Porträts seine Faszination entfaltet. Doch kaum war ich in der Geschichte angekommen, folgten wieder seitenlange Dialoge, Monologe und Betrachtungen, die sich für mich wie endloses Geplänkel der britischen Elite anfühlten – stellenweise sogar langweiliger als eine schlechte Folge von Downton Abbey. Ich hatte mir deutlich mehr von diesem Klassiker versprochen. Mein Eindruck ist, dass Oscar Wilde so sehr in seine eigene Sprachgewalt und seinen philosophischen Anspruch verliebt war, dass darüber der eigentliche Roman in den Hintergrund geriet. Die Idee hinter Dorian Gray ist großartig, die Umsetzung war für mich jedoch deutlich weniger fesselnd als erwartet. Wer kunstvolle Sprache und philosophische Dialoge liebt, wird hier vermutlich auf seine Kosten kommen. Ich persönlich hätte mir eine straffere Erzählweise und mehr Fokus auf die eigentliche Geschichte gewünscht.






















































