Ist es eine Dystopie oder doch schon die nahe Realität?
Es ist 2033: Eine rechte Partei hat es in zahlreiche Landtage und schließlich an die Spitze der Bundesregierung geschafft. Während wir Marie, einer jungen aufstrebenden Anwältin, durch einen atemlosen Prozess folgen, wird der schrittweise Abbau des Rechtsstaats erschreckend greifbar. Teilweise liest man fast fassungslos mit, wie „einfach“ es sein kann. Gerade die beklemmende Normalität vieler Entwicklungen macht das Buch dabei so unangenehm nahbar. Das Anpassungs- und Hinnehmungsvermögen mit dem jeder seine Normalität versucht aufrechtzuerhalten ist eindrücklich dargestellt. Bijan Moini versteht es, den Leser schnell und ohne große Umwege ins Geschehen zu ziehen. Besonders stark fand ich die Atmosphäre und die Nähe zur aktuellen gesellschaftlichen Realität. Der Konflikt zwischen Marie und ihrem Bruder blieb mir persönlich etwas zu schlicht. Spannend fand ich dagegen die Umweltaspekte, die immer wieder zwischen den Zeilen anklingen. Da hätte ich mir stellenweise noch etwas mehr Hintergrund oder auch mehr spürbare Empörung gewünscht. Alles in allem aber ein sehr lesenswertes Buch, das gerade durch seine Realitätsnähe nachhallt.




































