Auf Perec ist immer Verlaß, das wusste ich! Auch diesmal, ist es ihm gelungen, mich für sein Buch, für seine Ideen einzunehmen. Es sind 8 kleinere Texte, die ursprünglich in unterschiedlichen Publikationen erschienen sind und posthum zu diesem Band gesammelt wurden. Es geht, im Großen und Ganzen um die Aufforderung an den Leser, sich dem Alltäglichen zu widmen, zu versuchen, die Verwunderung über die ganz banalen Dinge im Leben, die uns zugunsten der großen Ereignisse abhanden gekommen ist, wieder zu gewinnen. Dazu nimmt er den Leser auf zwei sehr schöne Spaziergänge durch Beaubourg und London mit(in denen ich zum ersten Mal in seinen Texten so etwas wie Gefühl durchscheinen sah), liefert die Beschreibung einer Straße in 6 aufeinander folgenden Jahren, gibt den Inhalt von Zweihunundertdreiundvierzig Postkarten wieder(eine herrliche Satire über den "touristischen" Wortschatz), macht eine Bestandsaufnahme aller Speisen und Getränken, die er im Laufe eines Jahres zu sich genommen hat, beschreibt seinen Schreibtisch (mit einer wunderbaren Spiegelung) und nicht zuletzt kümmert er sich in meinem Lieblingstext „Das Allerheiligste“ um die Etymologie des Wortes „Büro“ und entwickelt sogar eine Typologie der Mächtigen anhand ihrer Büros. Es ist allerdings kein Buch für Leser, die Perec und seine Experimentierfreude noch nicht kennen, bzw sich nicht darauf einlassen wollen.
9. März9. März 2016
Warum gibt es keine Zigaretten beim Gemüsehändlervon Georges PerecDIAPHANES
