Jonas Theresia erzählt in seinem Roman unaufgeregt und nüchtern über eine Generation, die verloren wirkt, freiheitsliebend ist, sich das schnelle und leichte Geld wünscht ohne großen Zeit- und Arbeitsaufwand. Oder sich mehr wünscht als nur einen 9-to-5 Job. Der Schreibstil ist gängig, man kommt gut voran. Der Roman wirkt oberflächlich, wie eine Erzählung aus dem Alltag, ist jedoch mit versteckten Botschaften über Mental Health, Selbstfindung, das Eingehen emotionaler Bindungen und den Erwartungen an das Leben gespickt. Hat mir sehr gefallen!

TOYBOY Jonas Theresia Zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Levin, der Ältere, ist extrovertiert, eitel, ehemaliges Model in L.A., drogenerfahren und inzwischen in der Porno- und Escortbranche gelandet. Gregor hingegen lebt zurückgezogen, versteckt sich lieber hinter dem Bildschirm seiner Spielkonsole und kämpft mit dem Gefühl, unverstanden zu sein – nicht zuletzt, weil ihm familiärer Rückhalt fehlt. Schon zu Beginn spürt man als Leser*in, dass tiefer liegende Konflikte zwischen den Brüdern schwelen. Vor Jahren ist Levin ohne Erklärung nach Amerika aufgebrochen – ein Bruch, von dem sich Gregor nie erholt hat. Als Levin nun zurückkehrt, trifft er auf einen abweisenden Bruder, dessen Groll er zunächst nicht versteht. Erst allmählich erkennt er, wie sehr er Gregor in der Vergangenheit im Stich gelassen hat. Besonders gelungen fand ich die Grundidee des Romans. Obwohl das Buch nicht meinem bevorzugten Genre entspricht, war ich schnell in der Geschichte gefangen und habe es in einem Rutsch gelesen. Das Setting erschien mir an manchen Stellen zwar leicht überzeichnet, aber durchaus vorstellbar – gerade im Hinblick auf die dargestellte Szene. Insgesamt ein lesenswertes Buch mit einem beeindruckenden Cover. 3½/5
Das Setting hat mir sehr gefallen. Auch die nüchterne Schreibweise funktioniert gut. Im Laufe des Buches verliert sich ein bisschen der Drive. Es gibt schöne einzelne Szenen Einfälle, aber so ein literarisches „Ganzes“ bleibt ein bisschen aus. Dennoch angenehmer als viele andere „junge“ deutsche Gegenwartsliteratur.
Das Leben, der Sinn: Nüchtern erzählt!
**** Worum geht es? **** Ich bin auf das Buch aufgrund des Covers aufmerksam geworden – interessant anders, leicht kühl und im Zusammenspiel mit dem Titel mitten in einer Thematik, die viele von uns wohl eher meiden: der Körper als Verkaufsprodukt. Und genau dieses Gefühl vermittelt auch der Inhalt. **** Mein Eindruck **** Der Hauptcharakter bezeichnet sich selbst als männliches Model. Die Geschichte zeigt, wie familiäre Bindungen verblassen können, wenn man früh den Heimatort verlässt, um Karriere zu machen. Gleichzeitig kann eben diese Karriere unerfüllt bleiben – und die Beziehung zur Familie plötzlich wieder an Bedeutung gewinnen. Es wird die Geschichte von Levin erzählt, wobei eine bewusst distanzierte Erzählweise gewählt wird. Diese lädt die Lesenden zur eigenen Interpretation von Levins Gefühlswelt ein und führt sie neutral durch seinen inneren Zwiespalt: beruflich nicht mehr weiterzukommen und zugleich eine tiefe, bedingungslose Geschwisterliebe zu empfinden. Wie stark kann eine familiäre Beziehung sein? Genau das gilt es hier in einem ganz eigenen Stil und Ton zu entdecken. Für mich persönlich war das teilweise etwas zu trocken und stellenweise langatmig, da ich keinen richtigen Zugang zu Levin fand. Und dennoch blieb ich neugierig. Am Ende unterhielt mich das Buch – es riss mich aber nicht vom Hocker. **** Empfehlung? **** Ein interessantes Debüt, das man durchaus lesen kann – vor allem, wenn man eine eher nüchterne, wenig emotional gefärbte Erzählweise schätzt.
Thema gut - aber irgendwie nicht meins.
Vom Thema her fand ich’s Buch gut, schlüssig - aber irgendwie hat mir das gewisse etwas gefehlt. Schade.

„Toyboy“ von Jonas Theresia/ Debütroman Verlag: Kein & Aber 222 Seiten Solide, aber nicht ganz überzeugend Der Roman hat definitiv Potenzial, konnte mich aber letztlich nicht komplett mitreißen. Jonas Theresia erzählt die Geschichte von Levin und Gregor mit sprachlicher Präzension und klaren, pointierten Sätzen. Besonders gelungen ist das Verhältnis der beiden Brüder: Trotz all ihrer Unterschiede, trotz Distanz und Missverständnissen bleibt eine tiefe, wenn auch komplizierte Liebe spürbar. Der Schluss bringt dies noch einmal besonders gut zum Ausdruck. Allerdings fehlte mir insgesamt die emotionale Wucht. Levin hinterlässt in seinem Leben einen Scherbenhaufen nach dem anderen, doch die Gründe für sein Handeln bleiben oft zu vage. Wieso er sich für die Erotikbranche entscheidet, obwohl es ihm offensichtlich nicht gut tut, oder warum Gregor sich so stark in seine virtuelle Welt zurückzieht, darauf gibt der Roman kaum Antworten. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Der Autor beschreibt die Szenen sehr bildlich, insbesondere Levin wird mit großer Genauigkeit gezeichnet. Jedes Detail seines Körpers wird beschrieben, allerdings in einem sachlichen, strukturierten Ton, der keine Erotik aufkommen lässt. Dadurch vermittelt der Roman die Härte und Erschwernisse der Branche. Gregor, der kleine Bruder wurde in seinem Kinderzimmer mit seiner Kinderbettwäsche und seinen pornografischen Lektüren sehr authentisch von Theresia dargestellt. Man kann sich in jede Szene, sei es beim Dreh eines Pornos, in Gregors Zimmer oder im Wald, mühelos hineinversetzen. Der flüssige Schreibstil macht das Buch leicht zugänglich. Es gibt trotzdem viele interessante Aspekte, etwa die absurden Einblicke in die Erotikbranche oder die skurrile Figur der Oxana, einer Domina, mit ihrem armen Hund. Auch wenn mich das Buch nicht vollständig überzeugen konnte, bleibt es ein lesenswertes Debüt mit einigen starken Momenten.





