Truboy ist eine spannende und unterhaltsame Biographie der anderen Art. Ich möchte mehr über das Leben von Truman Capote erfahren.
Auf ihrer Suche nach dem verlorenen Manuskript zu Truman Capotes letzten Roman „Erhörte Gebete“ reist Anuschka Roshani durch die USA um mit den Menschen zu sprechen die den Autor noch lebend kannten und Verbindung zu ihm hatten. Aus diesen Gesprächen entwickelt sich ein sehr genaues und liebevolles Porträt dieses großen Schriftstellers.
Nicht nur für Capote-Fans eine außergewöhnliche Leseerfahrung! 🤩
Kennt Ihr bereits Truman Capote?! Am bekanntesten ist wohl sein Werk „Frühstück bei Tiffany“. Anuschka Roshani nimmt nun mit „Truboy“ sein Leben und wichtige Weggefährten Capotes unter die Lupe. Sie begibt sich auf die Suche in die USA nach seinem letzten Manuskript und wird - man mag es kaum glauben - fündig! Roshani hat bereits Truman Capotes Gesamtwerk beim Kein & Aber Verlag herausgegeben und arbeitet auch an ihrer Dissertation über ebensolchen. Ein schillerndes Leben führte Capote von 1924 bis 1984, umringte sich gerne mit Stars und Sternchen wie Andy Warhol, Gloria Vanderbilt oder Joanne Carson und galt als absolutes literarisches Ausnahmetalent. Solltet Ihr noch nichts von ihm gelesen haben, kann ich Euch seine Werke nur dringend ans Herz legen - wie zum Beispiel den Tatsachenroman „Kaltblütig“, „Die Grasharfe“ oder ein Interviewbuch mit dem aussagekräftigen Titel „Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie.“ Anushka Roshani ging einen Sommer lang ihrem selbstauferlegten Ziel nach sein verschollenes Manuskript „Erhörte Gebete“ in den USA wiederzufinden - und hatte Erfolg! Da er darin mit seinen einflussreichen New Yorker Freunden abrechnet, ist einigen Menschen daran gelegen, dass es unauffindbar bleibt - umso freudiger erlebt Roshani dessen Wiederentdeckung. Wir erfahren in „Truboy“ viele pikante Details, Privates und Persönliches von Truman Capote. Anushka Roshani nimmt Kontakt mit Wegbleitern auf, wälzt Notizbücher und recherchiert fleißig - absolut lohnenswert, denn sie lässt Capote auf diese Weise wieder lebendig werden. Keine einfache Kindheit hatte der im falschen Körper geborene, vernachlässigte kleine Junge, den sogar seine Mutter von sich wegschob, schlicht nicht haben wollte. Durch sein feminin geprägtes Erscheinungsbild zog er stets die Blicke auf sich und seine eher babyhafte Stimme trug ihr übriges dazu bei, dass man ihn quasi nicht wahrnehmen oder übersehen konnte. Selbstvertrauen zog er u.a. aus seiner Intelligenz - ihm wurde in seiner Grundschulzeit der höchste jemals gemessene und wissenschaftlich belegte IQ von 215 attestiert. Zu seinen Vorbildern zählt er Gustave Flaubert und Marcel Proust. Truman Capote führte ein wahres Jetset-Leben - doch wer hoch fliegt, kann auch tief fallen und so zollen seine Suchterkrankungen (Alkohol-, Tabletten-, und Drogensucht) schließlich ihren Tribut. Anuschka Roshani zeichnet mit „Truboy“ ein sensibles, nahbares Bild eines außergewöhnlichen Menschen, dass meine bisherige Wahrnehmung von Truman Capote stark geprägt und verändert hat. Er führte ein extraorbitantes, außergewöhnliches Leben und Roshani fängt die Essenzen und Wendepunkte perfekt ein - ein Buch nicht nur für Capote Fans! Fazit: Absolut lesenswert! Große Leseempfehlung!

Was für ein interessantes Buch muss man geschrieben haben, wenn die Geschichte um einen Autoren handelt, von dem man selbst noch kein Buch gelesen hat. Die Antwort ist "Truboy" von Anuschka Roshani. Aber Capote Liebhaber:innen, die jetzt Gefahr laufen angesichts dieser ungeheuerlichen Aussage die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen, können aufatmen. Schon während der Lektüre und spätestens danach habe ich mich mit genug Lesestoff von Truman Capote eingedeckt und alles, was schon da war, wanderte in der Leseliste ganz nach oben. Die Autorin Anuschka Roshani verbringt einen Sommer mit Truman Capote, Autor so erfolgreicher Bücher wie "Kaltblütig" und "Frühstück bei Tiffany". Aber auch 'Jetset Liebling', Wunderkind und einer der wichtigsten Vertreter der Popkultur konnte sich Capote auf das Portfolio schreiben. Mit "Kaltblütig" etablierte er in der Literatur den Journalismus in Romanform, in dem er die wahre Geschichte um die sogenannten Clutter Morde in Kansas recherchiert und nacherzählt. Damit wollte er beweisen, dass Tatsachenberichte genauso schockierend und unglaublich wie so manch geschriebener fiktionaler Roman sein kann und wurde somit unbewusst einer der Vorreiter des True Crime Booms, der sich gerade in heutiger Zeit in zahlreichen Büchern, Filmen, Serien, Dokumentationen und Podcasts manisfestiert. Doch einer der spannendsten Mythen um sein Werk und seine Person ist wohl das unvollendete Manuskript zu "Erhörte Gebete", das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. In der offiziellen Version hat Capote das Manuskript um eine Art Gesellschafts- und Sittenabbild der damaligen Upper East Side von New York, also den Reichen und Schönen, nie beenden können und so wurden nur Teile der Geschichte veröffentlicht. Es hält sich allerdings hartnäckig das Gerücht, das er das Buch eben doch beendet hat und der Rest der Geschichte in einem Schließfach irgendwo in den USA liegen soll. Diesem Mythos geht Roshani in ihrem Buch nach und erzählt in "Truboy" ganz recht eine literarische Detektivgeschichte, in der sie quer durch die USA reist, eine Handvoll alte Weggefährt:innen von Truman Capote trifft und in New York stundenlang alles, was sich im öffentlichen Nachlass von Capote befindet zu sichten und nach Hinweisen zu suchen. "Truboy" erzählt nicht nur die spannende Suche eines letzten Fragments der Hinterlassenschaft eines literarischen Wunderkindes, sondern bringt uns diesen auch erstaunlich nahe. Schon nach wenigen Seiten wird deutlich, dass Anuschka Roshani über ihren absoluten Lieblingsautoren schreibt, ihre Verehrung für Capote schimmert durch die Seiten hindurch- und steckt ihre Leser:innen sofort an. Sie bleibt aber auch objektiv und lässt in einer fast schon poetischen Sprache das Bild eines Mannes entstehen, der schon früh in seiner Kindheit von seiner Mutter gezeichnet wurde und doch immer wusste, dass das Schreiben nicht nur seine Welt sei, sondern auch sein Leben retten würde. Sie bringt uns Capote nahe wie einen guten alten Freund, der scheinbar immer gute Laune hatte aber tief im Inneren ein gezeichneter Mensch war. Und auch die bereits erwähnte Grundstory über Capotes unvollendeten Roman "Erhörte Gebete" ist wahnsinnig spannend zu verfolgen und hat übrigens eine fast schon absurd ironische Verbindung zu der Serie 'Gossip Girl', die ich zufälligerweise während ich das Buch gelesen habe noch einmal geschaut habe. Alle Kenner:innen können gerne raten, welche Serienfigur anscheinend in seinem Charakter und Gebahren Capote nachempfunden wurde. "Truboy" hat mir ein ganzes weiteres literarisches Feld eröffnet, die Romane eines Wunderkindes namens Truman Capote. Anuschka Roshanis Faszination für ihn ist mitreißend und ansteckend und ihr Sommer in den USA ist auf jeder einzelnen Seite lesenswert. "Ihre Stimme ist belegt, als sie von ihrem allerletzten Abend mit Truman erzählt. Erinnert mich an jemanden, der die Nase in die Armbeuge senkt, um wider besseres Wissen noch eines Hauchs des verflogenen Duftes gewahr werden zu können. Hätte sie doch nur gewusst- oder nein, im Grunde wusste sie es." S. 125



