23. Mai
Eine Erzählung zum ersten Weltkrieg
Bewertung:3.5

Eine Erzählung zum ersten Weltkrieg

Das Buch war nicht, was ich erwartet hätte, als ich die Rückseite las. Ich hätte gedacht, die angedeutete Liebesbeziehung würde mehr Platz darin einnehmen. Tatsächlich handelt es sich aber wirklich in erster Linie um eine Erzählung von einem französischen Soldaten im ersten Weltkrieg. Es ist sehr nüchtern erzählt und dennoch gefällt mir der Schreibstil. Ich bin überrascht, dass ich es fertig gelesen habe, ich hätte nämlich nicht gedacht, dass mich dieses Thema dafür genug interessieren könnte. Dennoch denke ich, jemand der Spannung, reißerische Beschreibungen oder tiefgründige Romantik erwartet, wird bei diesem Roman nicht fündig.

14
14von Jean EchenozMinuit
28. Sept.
Bewertung:3

An der französischen Westküste, 1914. Anthime ist mit dem Fahrrad unterwegs, als die Glocken zu läuten beginnen: Es ist Krieg. Schon am nächsten Tag werden er, sein Bruder Charles und weitere Kameraden in der Kaserne eingekleidet und sie marschieren los Richtung Ardennen. Was Anthime und Charles noch nicht wissen: Charles’ Freundin Blanche bleibt schwanger zurück. Iris Radisch nannte den 2012 erschienenen Roman von Jean Echenoz “Eines der allerbesten Bücher zum Ersten Weltkrieg” (Umschlagstext). Was Echenoz mit diesem Buch tatsächlich gelungen ist, ist eine zusammengefasste Schilderung des Erlebens des 1. Weltkrieges aus Soldatensicht auf literarischem Niveau. Einschließlich eindrücklicher Beschreibungen des Grauens, das in den Schützengräben auf die Soldaten wartete. Die Augenwischerei, die Absurditäten des Krieges, die traumgleiche Wahrnehmung der Kampfabläufe, all dies kann Echenoz dem Leser meisterhaft vermitteln. Was das Buch meiner Meinung nach nicht bieten kann, ist eine tatsächlich fesselnde Geschichte dreier junger Menschen, denn die Charaktere bleiben flach, nur Anthimes Innenleben wird wirklich angekratzt, aber auch nicht in dem Maße, dass eine wirkliche Beziehung zu ihm als Charakter aufgebaut werden kann. Dies ist sicherlich auch der geringen Seitenzahl geschuldet, normalerweise würde ich in einer Geschichte dieses Umfangs eher eine Kurzgeschichte oder Novelle sehen, das passt jedoch nicht dazu, dass mehrere Jahre abgedeckt werden. Sicherlich hat der Autor sich etwas dabei gedacht, den Roman so kurz zu fassen, meine Vermutung ist, dass er die oben geschilderten Kriegserfahrung ins Zentrum des Geschehens rücken wollte, ohne dass sie von zu starken Charakteren oder einer spannenden Geschichte überlagert werden. Das ist ihm sicher gelungen, es lässt den Leser am Ende des Buches jedoch ein wenig unbefriedigt zurück.

14
14von Jean EchenozMinuit