14. Apr.
Bewertung:3

Das Grauen an sich ist in dieser Kurzgeschichte in Ordnung. Ratten lösen auch bei mir einen Ekel aus. Lovecraft spart auch nicht an der Menge und lässt gleich ganze Horden ihr Unheil anrichten. Die Erzählung beginnt sehr harmlos als Familienchronik, geht dann über in eine Traumsequenz vom zu erwartenden Schrecken und als die Expedition beginnt, sind schon zwei Drittel der Geschichte vorüber. Dann trägt Lovecraft dick auf und beschreibt die gruseligen Szene wortgewaltig, fast etwas überdreht und billig. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, hätte ich vermutet, dass dies ein billiger Groschenheftroman mit John Sinclair in der Hauptrolle ist. Was mir nicht gefällt, ist die Missachtung des „Show, don‘t tell“-Grundsatz. Lovecraft legt dem Ich-Erzähler alle Gefühlsregung in den Mund. „Ich schauderte, er ängstigte sich etc“. Für mich bleibt da immer eine Distanz zu dem Beschriebenen. Gerade wenn ich E.A. Poe im Vergleich sehe, fällt mir dies auf. „Während die Ratten in den Gemäuern kratzen, stellte ich mir vor, wie sie mir über den Körper liegen, in meine Hosenbeine krochen und ihre Schwänze in meine Nasenlöcher steckten.“ Das wäre zum Beispiel ein Poe-Satz. Und bei Lovecraft: „Ich ekelte mich vor den Ratten“. Atmosphärisch bin ich da etwas enttäuscht, auch wenn das Ende dann wieder halbwegs versöhnlich stimmt. Insgesamt eher eine durchschnittliche Kurzgeschichte. Mit Lovecraft bin ich noch nicht richtig warm geworden.

The Rats in the Walls (1CD audio)
The Rats in the Walls (1CD audio)von Howard Phillips LovecraftPocket