etwas ganz anderes
Ich habe das Buch in einem ruhigen Moment angefangen und war begeistert von diesem poetischen, berührenden Schreibstil. Schnell wird klar: Der Erzähler bin ich selbst. Ich bin ein Schwarzer Mann in England, der sehr nachdenklich und unsicher wirkt. „Er“ lernt eine Schwarze Frau kennen, mit der er dann beruflich in Kontakt bleibt. Sie fühlen sich schnell sehr verbunden, sie trennt sich von ihrem Freund. Die beiden verbringen viel Zeit gemeinsam, auch privat. Der Erzählstil ist durchgehend sehr langsam. Zwischendurch, wenn „er“ allein unterwegs ist, stehen die Gedanken im Vordergrund. Angst vor Diskriminierung, (Polizei)gewalt, Gefahren. Erinnerungen an schlimme Erlebnisse und Erfahrungen in dieser Hinsicht. Dann sitzen die beiden plötzlich wieder auf der Couch und essen Chicken. Irgendwann nähern sie sich an. Eine gewisse Distanz bleibt trotzdem, weil er sehr in seinem Kopf zu sein scheint und da nicht raus kommt. Er teilt das nicht mir ihr, auch wenn sie viel fragt. Bis erneut eine schreckliche Situation auf der Straße passiert, er dicht macht und sie nicht mehr an ihn rankommt. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, weil ich auch glaube, dass poetische Geschichten schlecht zu übersetzen sind. Ich bereue es nicht, auch wenn ich dadurch vermutlich einige stilistische Techniken nicht wahrgenommen habe. Trotzdem habe ich mir einiges markiert. Viele Sätze und Formulierungen wiederholen sich oft. Das war neu für mich, aber ich fand es fantastisch. Generell ist vieles entweder durch kurze Sätze oder sehr lange ausschweifende Sätze beschrieben. Den Schreibstil fand ich demnach sehr spannend und irgendwie einfach sehr schön. Trotzdem kam ich immer wieder schlecht rein. Ich greife ständig kurz zu meinem Buch, statt wenige Male und dann länger. Ich lese während die Nudeln kochen, während ich auf den Bus warte, vor dem Einschlafen usw. Und ich glaube es ist kein Buch für zwischen Tür und Angel. Es ist kein Buch für eine laute Umgebung, sondern für einen ruhigen Nachmittag auf dem Balkon. Man muss so sehr zwischen den Zeilen lesen und die Wiederholungen mancher Floskeln beachten, dass das Buch viel Zeit, langsames bewusstes Lesen und Konzentration braucht. Während ich also, wie es hier oft beschrieben wurde, leider nicht so ganz in die Geschichte reinkam, hat sie mich stellenweise trotzdem so berührt und nachdenklich gemacht. Weil ja, ich bin eine weiße Frau, die nie ängstlich an der Polizei vorbei gelaufen ist. Natürlich macht das Buch dann weniger mit mir? In dem Buch „On Earth we‘re briefly gorgeous“ (Auf Erden sind wir kurz grandios) wird eine homosexuelle, stellenweise sehr krasse Geschichte sehr langsam, poetisch und nachdenklich erzählt. Ich musste oft daran denken. Und auch daran, dass mich auch dieses Buch nicht so sehr berührt hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Während „The hate you give“, was ich als Jugendliche las, mich jedoch extrem berührt hat. Auch da geht es um Diskriminierung und (Polizei)gewalt an POC. Ich denke, dass ich den poetischen Stil zwar genieße und faszinierend finde, ich viele Stellen aber lese, ohne sie richtig zu verstehen. Auf jeden Fall ein me- problem. Fazit: Ich fands doch eigentlich so toll, aber habe für dieses kurze Buch trotzdem länger gebraucht und wollte es dann einfach beenden. Finds selbst schade und möchte es irgendwann nochmal lesen.



































