It’s not over— it’s only just started.
Spoiler Nachdem ich dieses Buch beendet hatte, musste ich erstmal meine Gedanken sortieren. Der amerikanische Film war mein erster Horrorfilm und hat mich nachhaltig traumatisiert. Klingelnde Telefone und schwarze Fernsehbildschirme waren lange ein Graus für mich. Über die letzten Jahre habe ich aber Horror lieben gelernt und wollte mich irgendwann mit meiner Urangst konfrontieren. Ein Buddyread war dann die Gelegenheit. Asakawa findet heraus, dass drei Personen zur selben Zeit auf die gleiche Art wie seine Nichte gestorben sind - alle Todesursachen unerklärlich. Als er den Spuren ihres plötzlichen Ablebens folgt, wird er in einen unerwartet düsteren Abgrund gezogen. Dieser wird nicht nur ihn in Lebensgefahr versetzen ... Im ganzen Buch musste ich mir in Erinnerung rufen, dass es über dreißig Jahre alt ist. Die Erzählperspektive schwankt innerhalb des Kapitels zwischen unterschiedlichen Charakteren, was heute so nicht mehr üblich ist. Alle Hauptakteure sind Männer, obwohl der paranormale Plot sich stark um feminine Themen dreht. Diese werden mit einem für diese Zeit modernen Blick beleuchtet, denn die maskulinen Verhaltensweisen der Figuren sind eigentlich nur nachteilig für sie. Meistens kommen sie nur voran, wenn sie sich ineinander oder in ihre "Gegenspielerin" hineinversetzen. Sadako Yamamura ist eine kluge Allegorie für trans* und Intergeschlechtlichkeit und ihre Fetischierung durch cis-Männer. Ihr Verhalten wird verständlich gemacht, aber nicht verherrlicht. Ein kluger Trick, sodass man am Ende mehr Mitgefühl hat als mit den Hauptfiguren. Schade, dass das überhaupt nicht in den Filmen stattgefunden hat. Stilistisch hat das Buch seine Längen. Gerade die Auflösung ist durch die Sicht der beiden Akteure recht dröge. Der Grusel aus dem Film fehlt mir doch ein ganz kleines Bisschen, wenn es um die Todesfälle geht. Trotzdem ist der Gedanke des Rings als Virus spannend und mir ist klar, wieso das Werk so einen Impact hatte. Für Menschen, die mit sexueller Gewalt, toxischer Männlichkeit und veralteter Darstellung von Intersexualität stark hadern, würde ich es weniger empfehlen.


