6. Feb.
Bewertung:3

Selbst wenn man nicht sonderlich vertraut mit Rivalitäten im englischen Fußball ist, sind die Animositäten zwischen West Ham United und dem Millwall Football Club selbst Menschen, die dem Sport ansonsten nicht allzu viel abgewinnen können, spätestens seit dem Film „Green Street Hooligans“ bekannt. In dem 2005 erschienen Streifen spielt Elijah Wood den US-amerikanischen Studenten Matt Burner, der sich nach seiner Exmatrikulation von der Elite-Universität Harvard dazu entschließt seine Schwester in London zu besuchen, wo er auf Peter Dunham, den jüngeren Bruder seines Schwagers, trifft. Peter, der von Charlie Hunnam gespielt wird, ist Anführer der „Green Street Elite“, die stark an West Hams „Inter City Firm“ angelehnt ist, und nimmt den Yankie unter seine Fittiche. Natürlich geizt der Film nicht mit Klischees und Pathos, aber die Feindschaft zwischen der GSE sowie der NGO, den Hooligans des Millwall Football Club, beruht auf einer historischen Rivalität. In seinem Buch „Forged From The Docks: The history of England's most explosive football rivalry” widmet sich Autor James Sarfas der über 100 Jahre alten Feindschaft zwischen West Ham und Millwall. Beide Mannschaften wurden im Abstand nur weniger Jahre jeweils von Werftmitarbeitern gegründet, wo auch der Name der Rivalität, das „Docker’s Derby“ herrührt. Millwall wurde im Jahre 1885 gegründet, eine Dekade später wurde der Verein von Thames Ironworks ins Leben gerufen. Letztgenannter Club wurde zwar später zu West Ham United, seinen Spitznamen „The Irons“ verdankt das Team jedoch seinem ursprünglichen Vereinsnamen. Besondere Brisanz erhielt das Duell zunächst durch die wirtschaftliche Konkurrenz beider Werften, die abseits des Spielfelds um dieselben Kunden buhlten und um die wirtschaftliche Vorherrschaft an der Themse kämpften, sowie die regionale Nähe zueinander im Londoner East End. Im Laufe der Jahre verschärfte sich die Feindschaft. Beim Generalstreik 1926 sozialisierten sich viele Branchen, darunter die Anhänger von Millwall mit den Bergleuten, die gegen die geplanten verlängerten Arbeitszeiten und gefährlichen Arbeitsbedingungen in den Minen streikten. Vermeintlich durchbrachen Fans der „Hammers“ Streikposten, was von vielen als Verrat an der Arbeiterklasse angesehen wurde, woraufhin sich die gegenseitige Abneigung intensivierte. Schließlich gipfelte der Hass beider Fanlager aufeinander in den 70er – und 80er-Jahren tragisch in mehreren Todesfällen auf beiden Seiten. Auch wenn in jüngerer Vergangenheit die beiden Mannschaften nur noch selten gegeneinander spielten, da sie bis auf wenige Ausnahmen in unterschiedlichen Ligen antraten, bleibt die Rivalität der beiden Teams aus dem Londoner Osten bis heute explosiv. Insgesamt hat West Ham sportlich die Nase vorn, da sie seit der Gründung der Premier League zumeist im englischen Oberhaus spielten und sogar die UEFA European Conference League gewannen, wohingegen die „Lions“ seit der Jahrtausendwende wiederholt in die Drittklassigkeit abrutschten. „Forged From The Docks“ erzählt diese Geschichte mit vielen Details und Anekdoten recht lebendig. James Sarfas verwendet eine einfache, auch für Nicht-Muttersprachler leicht verständliche Sprache. Mit seinen gerade einmal knapp 150 Seiten lässt sich das Buch zudem recht flott durchlesen. Richtig packend ist Sarfas‘ Werk zwar nicht, bietet indes doch gute, kurzweilige Unterhaltung und eine Menge Infos zu einem spannenden Stück englischer Fankuktur.

Forged From The Docks
Forged From The Docksvon James SarfasObex Publishing