27. Juni
Bewertung:4

Im Jahre 2000 erklärte die UNESCO die Altstadt der venetischen Metropole Verona aufgrund zahlreicher hervorragend erhaltener Denkmäler wie dem Amphitheater oder dem Stadttor Porta Borsari zum Weltkulturerbe. Zudem erlangte Verona als Schauplatz der Tragödie „Romeo und Julia“ des britischen Dramaturgen William Shakespeare weltweit Bekanntheit. Allerdings sind diese historischen Fakten für das Buch „Verona Campione“ von Richard Hough sekundär, denn neben den mannigfaltigen Sehenswürdigkeiten beheimatet Verona auch den notorisch unerfolgreichen Fußballverein Hellas Verona. Seinen Namen erhielt der Verein bei seiner Gründung 1903 von Schülern des Gymnasiums Scipione Maffei, die auf Anraten ihres Griechischlehrers den Club nach dem antiken Land benannten, dessen Sprache sie lernten. Lange war das beinahe schon das Interessanteste, wenn man nicht gerade Anhänger von „I Mastini“ war, denn der Verein tingelte munter zwischen erster und zweiter Liga, teilweise stieg man sogar in die Drittklassigkeit ab. Doch das Blatt wendete sich mit der Verpflichtung des ehemaligen Hellas-Spielers Osvaldo Bagnoli im Jahr 1981. Gleich in seiner ersten Saison führte er Hellas in die Seria A, wo man sich ein Jahr später sensationell den vierten Platz sicherte und somit erstmalig für den UEFA-Pokal qualifizierte. Überdies erreichte man überraschend das Finale des italienischen Pokals, in dem man sich nur knapp Juventus Turin um Michel Platini geschlagen geben musste. In der darauffolgenden Saison konnte man zwar nicht an derlei Erfolge anknüpfen, doch Bagnoli formte mit exzellenten Neuverpflichtungen ein Team, das in der Spielzeit 1984/85 Geschichte schreiben sollte. Man konnte beispielsweise den Abwehrspieler Hans-Peter Briegel aus Kaiserslautern loseisen und zudem den dänischen Stürmer Preben Elkjær, der sich zuvor auch in Köln verdingte, zu einer Unterschrift bewegen. Heimische Talente in Zeiten, in denen maximal zwei ausländische Spieler pro Verein angemeldet sein durften, waren u.a. der spätere Mittelfeldregisseur der „Squadra azzurra“, Antonio Di Gennaro, Torwart Claudio Garella, Domenico Volpati und Roberto Tricella. Pitch Publishing veröffentlichte anlässlich des 40-jährigen Jubiläums dieser meisterhaften Saison Richard Houghs Buch „Verona Campione“. Auch wenn man vor Lektüre des Buches bereits weiß, dass die Saison im Sieg der italienischen Meisterschaft gipfeln wird, schafft es Hough den teilweise dramatischen Verlauf dieser Spielzeit wiederzugeben. Jedem Spieltag wird ein eigenes Kapitel gewidmet, doch Hough beschränkt sich nicht nur auf Spielberichte, vielmehr portraitiert er die jeweiligen Gegner und eröffnet Zeitzeugen, zumeist natürlich Fans der Mastiffs, die Möglichkeit ihre Perspektiven zu schildern. Auch die einzelnen Spieler und sonstigen Akteure wachsen dem Leser beinahe ans Herz, man fiebert geradezu mit ihnen. Hough schafft es sehr gut, die sich verändernden Beziehungen und Dynamiken in einem Team, das anders als seine Konkurrenten keine riesigen Stars in einen seinen Reihen hatte, zu beschreiben. Natürlich ist das Buch sehr wohlwollend geschrieben, es ist eine Hommage an einen bis dahin (und leider auch seitdem) erfolglosen Verein, eine faszinierende Stadt und ihre Bewohner. Aber Hough wahrt dennoch genügend Distanz um auch ein wenig kritisch zu sein. Jedem, der irgendeine Art Verbindung zur Stadt Verona, Hellas im Speziellen oder einfach nur italienischem Fußball hat, kann dieses Buch ans Herz gelegt werden.

Verona Campione
Verona Campionevon Richard HoughPitch Publishing Ltd