Unglaublich fein gezeichnetes Psychodrama
Ich habe diesen Roman spontan als Mängelexemplar gekauft und entsprechend geringe Erwartungen gehabt. Völlig zu Unrecht! Die Gewalt der Hunde entpuppte sich als stilles, präzises und erstaunlich intensives Highlight. Savage erzählt mit außerordentlichem Feingefühl ein Psychodrama über Macht, Männlichkeitsideale und verdrängte Homosexualität im Westen. Statt der erwarteten Schießereien und Genreroutinen rückt er konsequent die Innenwelt seiner Figuren in den Mittelpunkt und erzeugt gerade dadurch eine enorme Spannung. Im Zentrum stehen die Brüder George und Phil Burbank: George, korpulent, langsam, gutmütig; Phil dagegen körperlich wie geistig überlegen, charismatisch - und zutiefst bösartig. Als George eine von Phil verachtete Witwe heiratet, beginnt ein grausames Spiel aus Manipulation, Demütigung und psychischer Gewalt. Savage zeichnet diese Dynamik mit beeindruckender Vielschichtigkeit und ohne jede Vereinfachung. Besonders bemerkenswert finde ich, wie subtil der Roman Phils Selbstüberschätzung und Selbsthass miteinander verwebt, aber auch von Georges Frau wird ein eindringliches Bild gezeichnet. Dass dieses von der Kritik hoch gelobte Buch vergleichsweise wenig gelesen wird, bleibt mir rätselhaft. Umso schöner, wenn ein Zufallskauf sich als Highlight erweist!







