Eine leise, intensive Familiengeschichte über ein beschämendes Kapitel Zeitgeschichte
Claire Lynch greift in ihrem Roman „Familiensache“ ein Thema auf, das emotional tief berührt und gleichzeitig wütend macht: Es war in den 1980er Jahren (und noch weit darüber hinaus) bittere Realität, dass homosexuellen Müttern das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wurde. Die Geschichte wird geschickt und feinfühlig auf zwei Zeitebenen erzählt. Auf der einen Seite erleben wir die 80er Jahre mit Dawn, Heron und ihrer kleinen Tochter Maggie - eigentlich eine Familie, die nicht besonders glücklich, aber auch nicht unglücklich ist - bis Dawn sich in eine Frau verliebt. Eine unfaire und aus heutigem Blickwinkel verstörende Gerichtsverhandlung folgt. Auf der anderen Seite steht die heutige Perspektive der erwachsenen Maggie, die ohne ihre Mutter beim Vater aufgewachsen ist. Als dieser an Krebs erkrankt und beginnt, seine Angelegenheiten zu ordnen, stößt Maggie auf ein Dokument, das ihre gesamte Vergangenheit und die Lügen, mit denen sie aufgewachsen ist, infrage stellt. Es ist ein wunderbar leises, aber unheimlich kraftvolles Buch. Claire Lynch verzichtet auf lautes Melodram. Erschreckend und augenöffnend, wenn man bedenkt, wie nah diese vermeintlich „alte“ Realität noch an unserer Gegenwart liegt. Ein absolut lohnenswerter, bewegender Roman, der nachklingt.




















