Ansprechend von der Handlungsstruktur, dem Handlungsort und dem Rahmen. Relevante Themen wie familiäre Gewalt und Unterdrückung, blinder Nationalismus, stereotype Geschlechterrollen und der gefährliche Umgang mit historischen Ritualen.
Deshalb habe ich eventuell mehr erwartet, das Involviertsein blieb aus, außer Wut vielleicht, die war da. Aber die Nuancen fehlten mir und das Ende war sehr kurz abgehandelt. Dem inneren Monk fehlte die wörtliche Rede.
Der Klappentext hatte mich direkt, aber es war für mich kein rundes Leseerlebnis.
holy fucking shit. I knew what was coming but I still couldn't believe it. I'm not lying when I said I almost cried reading this. The way this book deals with abuse and the thoughts of someone who's being abused towards their abuser... "I could've said no" "he asked, and I said yes" no honey. no you couldn't have, and no you didn't. And why the fuck did that weird professor join in on that shit??? Looking forward to discussing this in the seminar.
Ich brauchte ein bisschen, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen, aber dann musste ich das Buch in einem Rutsch durchlesen. Ein unheimliches Szenario, in dem weibliche Solidarität die Rettung ist.
"Warum soll ich das ernst nehmen? Weil sie Männer sind, dachte ich, weil sie das Sagen haben, weil es Konsequenzen haben wird, wenn du es nicht tust. Ich begriff nicht, wie ihr das nicht klar sein konnte."
Northumberland, Großbritannien, Jetztzeit - Eine Gruppe Studenten begleitet ihren Professor in die britische Natur, um dort genauso zu leben wie ihre Vorfahren in der Eisenzeit. Teil dieser Gruppe sind ebenfalls Silvie und ihre Eltern. Silvie kann sich Besseres vorstellen, als ihre Ferien in der Wildnis zu verbringen, aber der Vater, ein Busfahrer und begeisterter Hobby-Historiker, will es so. Und dem Vater widerspricht man nicht. Niemals.
Weder Silvie noch ihre Mutter sind begeistert vom eintönigen und entbehrungsreichen Leben im Wald, das aus nichts als Sammeln, Kochen, Waschen und Jagen zu bestehen scheint. Immer auf der Hut vor dem Vater, den schon eine falsche Geste zur Weißglut treibt und handgreiflich werden lässt. Gewalt gegenüber Frauen und Rassismus sind hier allgegenwärtige Themen, die Unterdrückung und Kleinredung der Frau, die auch in der Eisenzeit-Hierarchie laut der Männer nichts zu sagen sondern zu machen hatte, ebenso.
Einziger Lichtblick für Silvie ist die Studentin Molly, die wenig Gefallen am Eisenzeitspiel findet und sehr selbstbewusst das macht, was sie will - was auch den ein oder anderen Besuch im gar nicht mal so weit entfernten Supermarkt einschließt. Und trotzdem lebt Silvie in ständiger Angst, für Mollys Frechheiten von ihrem Vater bestraft zu werden.
Eine permanente unterschwellige Beklommenheit begleitet den Leser das ganze Buch über und trotz der vielen bildlichen und lehrreichen Naturbeschreibungen wartet man nur darauf, dass diese Exkursion aus dem Ruder läuft. Spätestens nach einem Experiment namens "Geisterwand" ist es soweit, als die Männer so in ihrer Rolle aufgehen, dass sie unbedingt das Ritual eines Menschenopfers nachspielen wollen. Und dieses Opfer soll Silvie sein....
Die Idee dieses Romans finde ich großartig, die Umsetzung jedoch eher fade. Zudem stört es mich, dass es keinerlei wörtliche Rede gibt und dass das Finale sehr kurz abgehandelt wird.
Hat mir so gut gefallen. War mein erstes, aber sicher nicht mein letztes Buch von Sarah Moss. Toller atmosphärischer und bildlichen Schreibstil. Ich war sofort drin. Der Plott ist nicht rasant, aber trotzdem hat es moch sehr gefesselt.
Ein Vater beschließt das seine Frau und seine Tochter gemeinsam mit ihm, einem Professor und einigen Studenten, die Sommerferien wie in der Eisenzeit zu verbringen haben.
Es ist ein Roman über häusliche Gewalt und Misogynie. "Das ganze Leben, dachte ich, bringt Leid, wir leben davon zu töten, als gäbe es irgendein Wesen, für das das nicht gälte."
"Weil Männer so sind, dachte ich, weil sie das Sagen haben, weil es Konsequenzen haben wird, wenn du es nicht tust." Sylvie und ihre Mutter wissen, wie diese Konsequenzen aussehen, wenn sie nicht tun, was der Vater bzw. der Ehemann sagt.
Es werden Hasen gejagt, von den Männern, Beeren, Früchte und Wurzeln gesammelt, von den Frauen, bevor die Mutter von Sylvia daraus eine Mahlzeit zuzubereiten hat. Nur die Studentin Molly hinterfragt das Tun in dieser Konstellation. Als nächstes wird die Geisterwand errichtet. Ein Staketenzaun wird gebaut, dazwischen geflochtene Äste, obendrauf dann die Totenköpfe der Kaninchen.
Angst und Machtmissbrauch ziehen einen Tief in dieses Buch, entwickeln einen Sog und machen einen so richtig wütend. Dies ist kein Wohlfühlroman.
Selbst Tage nachdem ich das Buch beendete, fehlen mir noch die Worte. Den Stil, muss ich gestehen, fand ich stellenweise sehr anstrengend. Die Geschichte wird auch der Sicht der Tochter Silvie erzählt, was das ganze recht greifbar machte und mir oft unter die Haut ging, denn es zeigt deutlich, dass man einem Kind auch anerziehen kann, dass Dinge, die eigentlich falsch sind, etwas selbstverständliches sein können bzw. als solches wahrgenommen werden - man die Schuld für etwas zu tragen hat, für das man oftmals gar nichts kann. Was ich jedoch anstrengend fand war nicht die Sicht, sondern die Tatsache, dass es direkte Rede gibt, diese aber nicht als solche gekennzeichnet ist. Daran muss man sich erst mal gewöhnen und oftmals musste ich einen Satz doppelt lesen um das Gelesene korrekt zuordnen zu können.
Wie schon erwähnt, konnte ich mich in die Geschichte unglaublich gut hinein versetzten, wenngleich ich glücklicherweise nie in dieser Lage war. Der Vater entscheidet, dass die Ferien mit einer Gruppe Studierenden verbracht wird. Die Eisenzeit soll nachgespielt werden, so müssen Lebensmittel gesucht und Dinge hergestellt werden. Die Männer gehen selbstverständlich auf die Jagd, die Frauen machen den Rest. Schnell wird Silvie klar, dass die Studierenden ein anderes Leben führen als sie, ein unbeschwerteres. Sie scheint es nicht zu interessieren was ihr Vater verlangt, denn sie haben die Konsequenzen daraus nicht zu tragen und für sie ist alles nur ein Spiel, von dem höchstens eine Note abhängt. Die Autorin spricht dies immer wieder an, doch es dauert bis die wahre Natur des Vaters klar gezeigt wird. Doch man spürt die Angst der jungen Silvie, sie schwingt in der Geschichte stets mit, sodass man als Leser nur auf den großen Knall wartet. Mit wenigen Worten nimmt einem die Autorin den Atem, beschleunigt den Herzschlag, lässt einen entgeistert zurück und das auf unfassbar wenigen Seiten.
Jetzt habe ich gefühlt sehr viel geschrieben und doch nichts gesagt, denn dazu fehlen mir buchstäblich die Worte. Dieses Buch erzählt meiner Meinung nach aus dem Leben heraus. Direkt, unverblümt und schnörkellos. Vielleicht nicht genau in dieser Konstellation, im Zusammenhang mit diesem "Schauspiel", aber jede Familie kann betroffen sein und wir sollten nicht weg schauen, niemals, denn wie die Autorin es gut darstellt, lass sich immer Grenzen finden, die überschritten werden können. Ein Buch, dass für mich zwar weniger fluffig zu lesen war, aber dafür durch Mark und Bein ging.
Fazit:
Eine erschütternde Familiengeschichte, die jeden betreffen kann, realitätsnah erzählt und packend vom Anfang bis zum Ende.
2.0-2.5 / 5.0
Nicht sicher, ob die Bücher der Autorin einfach nichts für mich sind oder ich nur ein sehr schwaches erwischt habe? Nicht sehr überzeugend, leider. Und das Ende viel zu schnell abgehandelt. So sehr kann man eine dramatische Zuspitzung doch nicht verhunzen, wenn man das Buch mit einem dicken Teaser beginnt.